Risikofaktoren für Brustkrebs

Einleitung
So gut wie alle Frauen haben bestimmte Risikofaktoren für Brustkrebs. Viele davon spielen aber nur eine geringe Rolle, wie etwa der Lebensstil. Den größten Einfluss haben eine genetische Veranlagung und das Alter einer Frau.
Forschungsgruppen haben in den letzten Jahrzehnten intensiv nach den Ursachen von Brustkrebs und anderen Krebsarten gesucht. Dadurch ist klar geworden: „Die“ Ursache von Brustkrebs gibt es nicht. Ob eine Frau daran erkrankt, wird vor allem von folgenden Einflüssen bestimmt:
- von Alter und Vorerkrankungen. Mit den Jahren wird der Körper anfälliger für Krebs. Das Risiko für Erbgutveränderungen steigt, gleichzeitig lassen bestimmte Schutzmechanismen nach. Frauen, die schon einmal Brustkrebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko, erneut zu erkranken.
- von einer erblich vorgegebenen Anfälligkeit. Krebs entsteht, wenn sich in einer Körperzelle das Erbgut verändert. Normalerweise kann der Körper solche Veränderungen verhindern oder reparieren. Bei Menschen mit einer erblich bedingten Anfälligkeit für Krebs sind diese Schutzmechanismen schwächer.
- von hormonellen Faktoren. Hormone können beeinflussen, wie sich Krebszellen vermehren. Bei Brustkrebs kann es deshalb zum Beispiel eine Rolle spielen, in welchem Alter eine Frau ihre Periode bekommen hat, wann sie ihr erstes Kind geboren hat und wie oft sie schwanger war.
- vom Lebensstil. Bestimmte Lebensumstände können sich auswirken, spielen insgesamt aber eine eher untergeordnete Rolle.
Insgesamt gibt es so viele Risikofaktoren, dass die meisten Frauen gleich mehrere davon haben. Das ist aber normalerweise kein Grund zu besonderer Sorge. Denn die meisten dieser Faktoren erhöhen das Brustkrebsrisiko nur gering und sind sozusagen „normal“. Verschiedene Risikofaktoren zu haben, muss deshalb nicht bedeuten, mit hoher Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken. Zudem haben viele Frauen, die an Brustkrebs erkranken, dieselben Risikofaktoren wie Frauen, die nicht erkranken.
Nicht zuletzt bestimmt der Zufall mit darüber, ob eine Frau Brustkrebs bekommt oder nicht: Denn manchmal entstehen Erbgutveränderungen spontan, ohne dass es einen besonderen Grund gibt.
Welche Rolle spielt das Alter?
Welche Rolle spielt die erbliche Anfälligkeit?
Viele Frauen fragen sich, was es für sie bedeutet, wenn eine oder mehrere Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind – und welche Rolle die Gene überhaupt spielen können. Die Antworten hängen sehr von einzelnen Faktoren ab:
- Wenn die Erkrankung zum Beispiel bei einer Großmutter oder Cousine auftritt, ist das eigene Risiko kaum erhöht.
- Wenn Brustkrebs bei der Mutter oder einer Schwester auftritt, verdoppelt sich das eigene Risiko. Wenn nur eine nahe Verwandte erkrankt ist, ist das aber noch kein Beweis für eine vererbte Anfälligkeit durch eine Genveränderung. Gentests bringen hier normalerweise keine Ergebnisse.
- Wenn beispielsweise mehrere nahe Verwandte an Brustkrebs erkranken, kann das tatsächlich auf Genveränderungen hinweisen. Dann kann ein Gentest sinnvoll sein. Etwa 5 bis 10 % aller Brustkrebserkrankungen werden durch nachweisbare Genveränderungen (Mutationen) verursacht. Sie werden als „familiärer Brustkrebs“ bezeichnet. Vor allem Veränderungen an den Genen BRCA-1 oder BRCA-2 erhöhen das Risiko für Brustkrebs um ein Vielfaches: Etwa 65 % aller Frauen mit BRCA-1-Mutationen erkranken vor ihrem siebzigsten Lebensjahr, bei BRCA-2 sind es etwa 45 %. Beratung und Unterstützung bieten die derzeit 17 im Bundesgebiet verteilten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs.
Welche Rolle spielen Hormone?
Die hormonellen Veränderungen während des Menstruationszyklus beeinflussen auch das Brustgewebe. Vor allem die Zellen im Drüsengewebe, die für die Milchbildung zuständig sind, teilen sich mit jedem Monatszyklus und bilden sich wieder zurück, wenn es zu keiner Schwangerschaft kommt.
Die Teilung und das Verhalten der Zellen werden durch Sexualhormone wie Östrogene und Gestagene beeinflusst. Deshalb können Faktoren, die mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen, auch das Brustkrebsrisiko erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel:
- frühe erste Regelblutung
- späte Wechseljahre
- Einnahme von Hormonpräparaten
- Einnahme der Antibabypille
- Kinderlosigkeit
- Alter bei Geburt des ersten Kindes über 30 Jahre
Auch eine hohe Brustdichte – das heißt, dass die Brust vorwiegend aus Drüsen- und Bindegewebe besteht – kann das Brustkrebsrisiko erhöhen.
Welchen Einfluss haben der Lebensstil und die Umwelt?
Der Lebensstil beeinflusst das Brustkrebsrisiko nach derzeitigem Erkenntnisstand kaum. In Studien wurde festgestellt, dass Frauen, die körperlich sehr aktiv sind, ein etwas geringeres Brustkrebsrisiko haben. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass eine spezielle Ernährungsform – die mediterrane Diät – mit einem etwas geringeren Risiko einhergehen könnte. Für Menschen, die viel Fleisch, Fertignahrung und Fast Food essen, könnte das Risiko dagegen etwas erhöht sein. Ansonsten sprechen die bisherigen Studien dafür, dass es in der Regel keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hat, wie man sich ernährt.
Eine Ausnahme ist der Alkoholkonsum: Frauen, die viel Alkohol trinken, bekommen häufiger Brustkrebs. Ob dies auch für das Rauchen gilt, ist unklar.
Welche Rolle das Gewicht spielt, ist noch nicht abschließend geklärt. Studien zeigen, dass Frauen, die nach den Wechseljahren übergewichtig werden (BMI über 25), etwas häufiger an Brustkrebs erkranken. Vor den Wechseljahren ist es genau umgekehrt. In dieser Zeit haben übergewichtige Frauen ein leicht geringeres Brustkrebsrisiko. Eine Erklärung dafür gibt es bislang nicht.
Es gibt auch die Vermutung, dass regelmäßige, jahrelange Nachtarbeit das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen könnte. Die Untersuchungen zu dieser Frage liefern jedoch keine sicheren Ergebnisse. Sollte Nachtarbeit einen Einfluss haben, ist dieser aber gering.
Von einigen Faktoren wird mitunter behauptet, dass sie das Risiko erhöhen: zum Beispiel die Anwendung aluminiumhaltiger Deos, das Tragen (enger) BHs, Brustimplantate sowie Stress und frühere Schwangerschaftsabbrüche. Für diese Behauptungen gibt es jedoch keine wissenschaftliche Grundlage.
Was bedeutet das eigentlich: „erhöhtes Risiko“?
Aussagen wie „das Risiko ist erhöht“ oder „erkranken häufiger“ können leicht große Sorgen auslösen, wenn sie nicht genauer erklärt werden. Um einschätzen zu können, wie hoch das eigene Risiko tatsächlich ist, muss man wissen, auf welches Ausgangsrisiko sich die Erhöhung bezieht.
Die folgende Tabelle zeigt, wie viele fünfzigjährige Frauen in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs erkranken, wenn sie bestimmte Risikofaktoren haben:
| Risikofaktoren | Von 1000 fünfzigjährigen Frauen erkranken in den nächsten 10 Jahren an Brustkrebs ... |
|---|---|
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10 von 1000 |
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25 von 1000 |
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43 von 1000 |
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72 von 1000 |
Wie lässt sich das persönliche Risiko abschätzen?
Das eigene Brustkrebsrisiko lässt sich mit Brustkrebsrechnern abschätzen. Diese stehen bislang nur auf Englisch zur Verfügung und beruhen auf Untersuchungen an Frauen in den USA. Die Daten können aber auch Frauen in Deutschland eine Orientierung geben. Die Rechner unterscheiden sich durch die Angaben, die zur Berechnung des Risikos verwendet werden.
Verwendete Faktoren:
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Verwendete Faktoren:
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Quellen
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