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Was tun bei unspezifischen Nackenschmerzen?

Was tun bei unspezifischen Nackenschmerzen?
Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Bei Nackenschmerzen ohne erkennbare Ursache ist es am besten, möglichst in Bewegung zu bleiben und seinem Alltag nachzugehen. Gegen die Schmerzen kann man zum Beispiel Wärmeanwendungen oder Schmerzmittel ausprobieren. Spezielle Übungen sollen die Nackenmuskulatur stärken. Es ist jedoch unklar, wie gut diese Maßnahmen helfen.

Meistens lässt sich für Nackenschmerzen keine eindeutige Ursache finden. Dann werden sie „unspezifische“ Nackenschmerzen genannt. Sie verschwinden meist von selbst innerhalb einiger Tage oder Wochen. Manche Menschen haben aber länger Beschwerden, oder sie treten immer wieder auf. Von chronischen Nackenschmerzen spricht man, wenn sie länger als drei Monate anhalten.

Oft tragen verschiedene Faktoren zu unspezifischen Nackenschmerzen bei. Dies können zum Beispiel körperliche Belastungen am Arbeitsplatz sein, wie Arbeiten über Kopf oder unbewegliches Sitzen am Schreibtisch. Eine wichtige Rolle spielen zudem oft psychische Belastungen wie Stress, familiäre oder berufliche Ängste und Sorgen.

Unspezifische Nackenschmerzen können zwar sehr unangenehm sein, sind aber harmlos. Es gibt deshalb keinen Grund, sich zu schonen. Im Gegenteil: Es ist sogar sinnvoll, weiter aktiv zu bleiben.

Obwohl unspezifische Nackenschmerzen sehr häufig sind, gibt es nur wenige gute Studien, die die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten untersucht haben. Bislang ist für keine Behandlung eindeutig nachgewiesen, dass sie Nackenschmerzen dauerhaft lindern kann. Es gibt aber verschiedene einfache Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

Was kann ich selbst gegen Nackenschmerzen tun?

Viele Menschen verwenden wärmende Schals, Wärmekissen oder -packungen, um Verspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern. Bei Nackenschmerzen durch Nervenreizungen kann auch eine Kühlpackung wohltun. Wichtig ist, dass die Packung weder zu heiß noch zu kalt ist. Ein Tuch um die Packung schützt die Haut vor Verletzungen.

Dehn- und Kräftigungsübungen sollen die Muskulatur entspannen, stärken und Beschwerden vorbeugen. Wenn man die Übungen mit ärztlicher oder physiotherapeutischer Anleitung gelernt hat, kann man sie auch selbst zu Hause machen.

Es wird zwischen statischen (isometrischen) und dynamischen Kräftigungsübungen unterschieden. Bei isometrischen Übungen verändert sich die Position des Körpers während der Anspannung nicht. Ein Beispiel für eine isometrische Übung ist, sich mit geradem Rücken an eine Wand zu stellen und den Hinterkopf für etwa 20 Sekunden so fest gegen die Wand zu drücken, wie es noch angenehm ist. Bei dynamischen Übungen werden die Muskeln aktiv bewegt – dabei kann man mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Hanteln und Gummibändern üben.

Kräftigungsübungen für Nacken, Schultern und Schulterblätter sollen chronische Nackenschmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Um genauer sagen zu können, welche Nackenübungen helfen und wie oft ein Training sinnvoll ist, ist jedoch mehr Forschung nötig. Auch zur Wirksamkeit von Ausdauertraining oder achtsamkeitsbasierten Übungen wie Yoga, Pilates und sind weitere Studien notwendig.

Können manuelle Therapien und Massagen helfen?

Manipulation und sind Verfahren aus der manuellen . Dabei sollen bestimmte Handgriffe Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Bei einer wird das Gelenk langsam und so gut es geht bewegt. Bei einer Manipulation werden zusätzlich kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die über die aktiven Bewegungsgrenzen hinausgehen können.

Gut zu wissen:

Manipulative Handgriffe werden umgangssprachlich auch als „einrenken“ bezeichnet – obwohl die Schmerzen normalerweise nicht durch ein „ausgerenktes“ Gelenk ausgelöst werden.

Bei Nackenschmerzen kann sowohl im Bereich der Halswirbel als auch der Brustwirbel mobilisiert oder manipuliert werden. Studien zur Wirksamkeit dieser Behandlungen zeigen allerdings nur geringe bis keine Effekte.

Eine Manipulation der Wirbelsäule kann die Schmerzen zunächst verstärken. Manchmal führt sie auch vorübergehend zu Kopfschmerzen oder Schwindel. Es gibt einzelne Berichte, nach denen es bei einer Manipulation zu Gefäßverletzungen und Schlaganfällen kam. Diese schwere Komplikation ist aber äußerst selten. Wichtig ist, dass die behandelnde physiotherapeutische oder ärztliche Fachkraft in manueller Medizin ausgebildet ist.

Therapeutische Massagen sollen die Muskulatur lockern und Schmerzen lindern. Möglicherweise helfen sie kurzfristig gegen akute Schmerzen. Insgesamt fehlen aber gute Studien zur Wirksamkeit von Massagen bei Nackenschmerzen. Da Druck auf die betroffenen Regionen ausgeübt wird, können Massagen selbst schmerzhaft sein.

Helfen physikalische Therapien?

Physikalische Therapie ist ein Oberbegriff für Behandlungen, bei denen physikalische Reize wie Wärme, Kälte, Strom und Licht eingesetzt werden. Sie werden oft von Physiotherapeutinnen und -therapeuten angewendet.

Dazu gehören die transkutane elektrische Nervenstimulation () und die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS). Bei diesen Behandlungen werden leichte Stromreize eingesetzt. Die elektrischen Reize sollen die Weiterleitung der Schmerzsignale ans Gehirn hemmen und die Bildung des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin anregen.

Bei der werden Elektroden auf der Haut angebracht, die die Stromreize über die Haut (transkutan) übertragen. Bei der PENS werden sie über Akupunkturnadeln übertragen, die in die Haut () gestochen werden. Es gibt noch weitere Verfahren der Elektrotherapie, zum Beispiel die Interferenztherapie. Sie unterscheiden sich unter anderem in der eingesetzten Frequenz des Stroms.

Bislang ist für keine Elektrotherapie nachgewiesen, dass sie Nackenschmerzen lindern kann. Bei einer PENS kann es durch die Einstiche zu kleineren Blutungen oder Infektionen kommen. Andere Nebenwirkungen wurden in Studien nicht berichtet, sind aber nicht auszuschließen.

Welchen Nutzen hat Akupunktur?

ist eine Behandlung aus der traditionellen chinesischen Medizin, bei der an bestimmten Körperstellen feine Nadeln in die Haut gestochen werden. Es gibt keine guten Studien, die belegen, dass Nackenschmerzen lindern kann. Das Risiko von Nebenwirkungen ist gering. Durch das Setzen von Akupunkturnadeln kommt es manchmal zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen. Um Infektionen zu vermeiden, ist es wichtig, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden.

Können Schmerzmittel helfen?

Zur Behandlung von Nackenschmerzen kommen verschiedene Medikamente infrage. Viele Menschen versuchen, akute Schmerzen mit (teilweise) rezeptfreien Schmerzmitteln aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika () zu lindern. Darunter zählen etwa , Diclofenac oder Naproxen. Zur Wirkung dieser Medikamente bei Nackenschmerzen gibt es bislang jedoch kaum gute Studien. Ob und wie gut sie helfen, lässt sich deshalb nicht sicher sagen.

können verschiedene Nebenwirkungen haben und eignen sich nicht für Menschen mit einer oder chronischen Darmerkrankungen.

Diclofenac und werden oft als Gel zum Auftragen auf die Haut eingesetzt. Auch die Wirksamkeit örtlich angewendeter Schmerzmittel bei Nackenschmerzen ist bislang nicht gut untersucht. Ein Vorteil der örtlichen Anwendung der Mittel ist, dass Gele seltener Nebenwirkungen haben als Tabletten. Manchmal treten Hautirritationen wie Rötungen, trockene Haut oder Juckreiz auf.

Verschreibungspflichtige Medikamente

Bei starken Schmerzen kommen manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel aus der Gruppe der infrage. Sie werden zur Behandlung starker Schmerzen beispielsweise bei Krebserkrankungen, starken Nervenschmerzen (etwa bei Gürtelrose) oder einem akuten Bandscheibenvorfall eingesetzt. Zur Behandlung von Nackenschmerzen werden sie nur bei sehr starken akuten Schmerzen angewandt. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Benommenheit und Schläfrigkeit, Schwindel und Verstopfung.

Teilweise werden auch Medikamente eingesetzt, die die Muskeln entspannen (Muskelrelaxantien). Meist handelt es sich dabei um Beruhigungsmittel, die auf das Gehirn wirken. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und können verschiedene Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Benommenheit.

Grundsätzlich sollten Schmerzmittel und Muskelrelaxantien nicht dauerhaft, sondern nur zur kurzfristigen Behandlung eingesetzt werden. Bei Einnahme von Opioiden oder Beruhigungsmitteln kann es nötig sein, auf das Autofahren zu verzichten und keine gefährlichen Maschinen zu bedienen, um Unfälle zu vermeiden. Bei älteren Menschen erhöhen diese Mittel außerdem das Risiko für Stürze.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) rät bei unspezifischen Nackenschmerzen von Opioiden und Muskelrelaxantien ab.

werden normalerweise gegen Depressionen eingenommen. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Müdigkeit. Es gibt keine guten Untersuchungen dazu, ob diese Medikamente gezielt bei chronischen Nackenschmerzen helfen. Eine allgemeine Empfehlung für oder gegen ihre Einnahme ist daher nicht möglich.

Spritzen

Medikamente wie , Kortison oder das örtliche Betäubungsmittel Lidocain können direkt in einen Muskel oder in ein Wirbelgelenk gespritzt werden. Manchmal wird auch das Nervengift Botulinumtoxin („Botox“) gespritzt. Die Wirkung örtlicher Spritzen ist jedoch nicht gut untersucht.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin rät bei unspezifischen Nackenschmerzen wegen möglicher Risiken auch von Spritzen ab. Zu den Risiken gehören Verletzungen, allergische Reaktionen und Krampfanfälle. Außerdem besteht bei Spritzen immer ein geringes Risiko, dass Keime in den Körper gelangen und eine auslösen.

Lidocain-Spritzen können zu einer vorübergehenden Zunahme der Schmerzen, Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder Brennen an den Einstichstellen führen. NSAR-Spritzen wirken vermutlich nicht besser als NSAR-Tabletten.

Was ist eine Schmerzbewältigungstherapie?

Bei starken chronischen Schmerzen kann eine Schmerzbehandlung sinnvoll sein. Sie wird von darauf spezialisierten Ärztinnen, Ärzten oder Psychotherapeutinnen und -therapeuten angeboten.

Eine ist eine Methode aus der . Es geht darum, einen besseren Umgang mit lang andauernden starken Schmerzen zu lernen. Denn oft hat sich ein Teufelskreis aus verstärkter Schmerzwahrnehmung, Angst vor den Schmerzen, körperlicher Schonung und weiterer Schmerzverstärkung entwickelt.

Meist finden Gruppengespräche statt, ergänzt durch gelegentliche Einzelgespräche. Zu einer gehören Entspannungstechniken und Übungen, bei denen man lernt, die Schmerzen bewusst wahrzunehmen, um dann die Aufmerksamkeit vom Schmerz wegzulenken.

Wann kommt eine Halskrause infrage?

Halskrausen wurden früher oft nach einem eingesetzt. Sie werden heute aber kaum noch empfohlen, weil das Tragen einer Halskrause die Nackenmuskeln schwächt und die Probleme dadurch noch verstärken kann. Bei starken Schmerzen werden Halskrausen manchmal für kurze Zeit eingesetzt, um den Nacken zu entlasten oder den Schlaf zu erleichtern. Eine Halskrause sollte aber nur wenige Stunden am Tag und nicht länger als 1 bis 2 Wochen getragen werden, um eine zu vermeiden.

Sind ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz sinnvoll?

Ergonomische Maßnahmen beinhalten zum Beispiel die Anpassung der Sitzhöhe am Schreibtisch, die Position der Stuhllehne, die Entfernung vom Stuhl zur Tastatur und die Höhe des Bildschirms. Zudem gibt es ergonomische Arbeitshilfen wie spezielle Keyboards, Mäuse oder Mousepads. Sie sollen helfen, ungünstige Haltungen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Welche Wirkung solche Maßnahmen haben, ist aber unklar, da aussagekräftige Studien zur ergonomischen Anpassung des Arbeitsplatzes fehlen.

Fachleute für Arbeitsgesundheit gehen ohnehin davon aus, dass es gar nicht so sehr auf die „richtige“ Sitzhaltung ankommt, sondern vor allem auf Bewegung am Arbeitsplatz. Damit ist gemeint, dass man seine Sitzposition möglichst häufig wechselt und zwischendurch immer wieder aufsteht. Bewegung fördert die Durchblutung von Muskeln, Bandscheiben und anderem Gewebe. Sie soll auch einer Ermüdung der Muskeln durch starre und einseitige Positionen und damit verbundenen Problemen vorbeugen.

Quellen

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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