Wie gut hilft eine Kortisonbehandlung?

Einleitung
Eine Behandlung mit Kortison kann die Beschwerden bei einem Karpaltunnelsyndrom vorübergehend lindern. Langfristig hilft sie aber kaum. Kortisonspritzen in den Karpaltunnel sind wirksamer als Kortisontabletten.
Wenn die Hand schmerzt, kribbelt und sich taub anfühlt, kann ein Karpaltunnelsyndrom die Ursache sein. Dabei wird der Mittelnerv eingeengt, der im Karpaltunnel des Handgelenks verläuft und den Daumenballen und Teile der Hand versorgt. Zu den wirksamen Behandlungen gehört das Spritzen von Kortison (Kortikoid).
Kortison ist ein Hormon, das in der Nebenniere gebildet wird. Es hemmt unter anderem Entzündungen und wirkt abschwellend. Für Medikamente wird Kortison künstlich hergestellt. Bei einem Karpaltunnelsyndrom kommt eine Behandlung mit Kortison meist dann infrage, wenn das Tragen einer Schiene nicht geholfen hat. Kortison wird als Lösung in das Gewebe des Karpaltunnels gespritzt oder in Tablettenform eingenommen. Spritzen sind wirksamer als Tabletten und werden deshalb meist bevorzugt.
Wie wirken Kortisonspritzen?
Kortison in den Bereich des Karpaltunnels zu spritzen, ist eine gängige Behandlung. Dadurch schwillt das Bindegewebe im Karpaltunnel ab und drückt weniger stark auf den Mittelnerv.
Der Nutzen von Kortisonspritzen wurde in mehreren Studien untersucht. Diese zeigen, dass in den ersten 2 bis 4 Wochen nach der Behandlung die Beschwerden bei vielen Menschen nachlassen. Die Wirkung der Kortisonspritzen kann auch nach sechs Monaten noch anhalten. Langfristig helfen sie jedoch kaum: Bei vielen Menschen treten die Beschwerden mit der Zeit erneut auf.
Die Behandlung ist wirksamer und geht mit weniger Nebenwirkungen einher, wenn die Ärztin oder der Arzt die Spritze unter Ultraschallkontrolle setzt.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Durch die Spritzen kann es zunächst zu leichten oder mittelstarken Schmerzen an der Hand kommen, die aber nach wenigen Tagen verschwinden. Außerdem gehen Spritzen immer mit einer Infektionsgefahr einher. Eine Infektion kann Sehnen und Nerven schädigen. Selten kommt es zu schweren Komplikationen wie einer Entzündung der ganzen Hand. Auch wenn die Spritze falsch gesetzt wird, ist eine Schädigung der Nerven möglich. Dies passiert aber bei weniger als 1 von 1000 Menschen. Schwere Nebenwirkungen sind insgesamt sehr selten.
Kortisonspritzen oder Operation?
Wie gut Kortisonspritzen im Vergleich zu einer Operation helfen, ist noch nicht ausreichend geklärt. Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass beide Verfahren die Beschwerden in den ersten Monaten ähnlich gut lindern.
Durch Kortisonspritzen können einige Menschen eine Operation vermeiden oder zumindest länger aufschieben. Manche Menschen mit anhaltenden Beschwerden überlegen dennoch, sich operieren zu lassen – denn die Spritzen helfen nicht immer ausreichend und oft nicht langfristig.
Es ist zwar möglich, sich in regelmäßigen Abständen erneut eine Kortisonspritze geben zu lassen. Allerdings ist unklar, wie wirksam und sicher dies auf Dauer ist. Fachleute vermuten, dass regelmäßige Spritzen das Risiko für Schäden an Nerven oder Sehnen und für andere Nebenwirkungen erhöhen könnten.
Wie wirken Kortisontabletten?
Bei manchen Menschen können auch Kortisontabletten die Beschwerden etwas lindern. Sie können einen Versuch wert sein, wenn die Beschwerden erstmals auftreten und nicht allzu stark sind. Es wird empfohlen, die Tabletten nicht länger als zwei Wochen einzunehmen, da eine längere Einnahme wahrscheinlich keine Vorteile hat. Zudem können Kortisontabletten Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Hautprobleme oder Gewichtszunahme haben.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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