Wie verläuft eine chronische Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz)?

Einleitung
Eine chronische Nierenkrankheit schreitet meist nur langsam voran. Mit regelmäßigen Blut- und Urinuntersuchungen lässt sich abschätzen, ob die Nieren noch ausreichend arbeiten, die Behandlung angepasst oder zum Beispiel bald eine Dialyse begonnen werden sollte.
Blut- und Urinuntersuchungen sind nötig, um eine chronische Nierenkrankheit festzustellen. Aber auch nach der Diagnose sind regelmäßige Kontrollen sehr wichtig: Sie zeigen, in welchem Stadium die Erkrankung ist, ob sie fortschreitet – und wenn ja, wie schnell. Das hilft, die Behandlung anzupassen und das Risiko für Komplikationen besser abzuschätzen.
Zeigen die Untersuchungen, dass die Nieren wahrscheinlich bald versagen werden, bespricht man mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Behandlungen nun infrage kommen. Die dafür nötigen Schritte können so rechtzeitig geplant werden.
Welche Stadien kann die Erkrankung durchlaufen?
Die chronische Nierenkrankheit wird in folgende Stadien eingeteilt:
- Stadium 1: Urinuntersuchungen ergeben zwar Anzeichen für eine Schädigung der Nieren. Gesunde Bereiche der Nieren sorgen aber dafür, dass sie insgesamt noch normal arbeiten.
- Stadium 2: Die Nierenfunktion ist leicht eingeschränkt. Es machen sich aber keine Symptome bemerkbar.
- Stadium 3: Die Nierenfunktion ist mäßig eingeschränkt. Auch in diesem Stadium sind Betroffene in der Regel beschwerdefrei.
- Stadium 4: Die Nierenfunktion ist stark eingeschränkt, das heißt, die Nieren erfüllen ihre Aufgaben kaum noch. Es können Beschwerden wie Juckreiz, Blutarmut, Knochenschmerzen, Wassereinlagerungen und Schwäche auftreten.
- Stadium 5: Nierenversagen: Die Nieren können das Blut nicht mehr ausreichend reinigen. Nur eine Nierentransplantation oder eine Dialyse können verhindern, dass sich die Beschwerden verstärken und lebensbedrohliche Folgen auftreten.
Wie sich die chronische Nierenkrankheit entwickelt, hängt auch von Begleiterkrankungen ab. So können etwa Herzerkrankungen, ein nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck oder ein Diabetes mellitus das Fortschreiten der Nierenschwäche beschleunigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt die Nierenfunktion und den gesamten Gesundheitszustand im Blick hat. So kann sie oder er Medikamente gut auf den persönlichen Bedarf abstimmen und auch das Risiko für ein Nierenversagen abschätzen.
Wie lassen sich Nierenfunktion und Nierenschäden messen?
Wie gut die Nieren noch arbeiten, lässt sich anhand verschiedener Messwerte beurteilen, die bei Kontrolluntersuchungen regelmäßig geprüft werden:
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)
Die Niere enthält etwa eine Million winziger „Filterstationen“ – die sogenannten Nierenkörperchen (Glomeruli). Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt an, wie viel Blut pro Minute gefiltert wird. Bei Gesunden sind das zwischen 85 und 135 Milliliter pro Minute. Bei Erkrankten sinkt der GFR-Wert allmählich ab.
Die GFR direkt zu messen, wäre sehr aufwendig. Deshalb wird sie meist abgeschätzt – zum Beispiel mithilfe des Kreatinin-Werts im Blut. In die Formeln für die GFR-Abschätzung fließen zusätzlich zum Beispiel das Alter und das Geschlecht mit ein.
Eiweißausscheidung im Urin
Gesunde Nieren verhindern, dass bestimmte Blutbestandteile in den Urin gelangen und ausgeschieden werden. Dazu gehören Bluteiweiße wie das Albumin. Sind die Nieren geschädigt, werden vermehrt Bluteiweiße ausgeschieden. An der Höhe des Eiweißwerts im Urin lässt sich abschätzen, wie stark ein Nierenschaden ist.
Wann wird eine Dialyse nötig?
Bei einem Nierenversagen ist eine Nierentransplantation für viele Menschen die optimale Therapie. Sie ist aber nicht immer sofort möglich – es muss ein passendes Spenderorgan gefunden werden. Es kann deshalb Jahre dauern, bis man die Niere einer verstorbenen Person erhält. Eine Lebendspende – zum Beispiel durch einen nahen Verwandten – ist oft schneller möglich. Manche Menschen möchten auch keine Transplantation. Dann – und auch während der Wartezeit auf eine Spenderniere – ist eine Dialyse nötig.
Es gibt die Peritoneal- oder die Hämodialyse. Sich für eins dieser Dialyseverfahren zu entscheiden und die jeweilige Behandlung vorzubereiten, braucht aber etwas Zeit. Deshalb sollten die nötigen Vorbereitungen getroffen werden, sobald absehbar ist, dass die Nieren bald versagen werden. Das ist oft der Fall, wenn der GFR-Wert unter 30 sinkt. Zu einem Nierenversagen kommt es bei den meisten Menschen bei einem GFR-Wert unter 10.
Peritoneal- oder Hämodialyse?
Bevor man sich für eine Dialyseform entscheidet, ist es sinnvoll, sich gut über beide Verfahren zu informieren. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei, die jeweiligen Vor- und Nachteile für sich abzuwägen.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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