Chronische Niereninsuffizienz: Welche Medikamente schützen Nieren, Herz und Blutgefäße?

Einleitung
Wenn die Nieren länger als drei Monate nur eingeschränkt arbeiten oder so geschädigt sind, dass sie vermehrt Eiweiß ausscheiden, spricht man von einer chronischen Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz). Dann kann eine medikamentöse Behandlung davor schützen, dass die Erkrankung weiter fortschreitet.
Bei einer chronischen Nierenkrankheit kommen unterschiedliche Mittel infrage – je nachdem, welches Stadium und welche Begleiterkrankungen man hat und wie hoch das Risiko für Komplikationen ist. Passend darauf abgestimmt soll die medikamentöse Behandlung die Nieren vor weiteren Schäden schützen, ihre Funktion möglichst lange erhalten und Komplikationen verhindern. Oft nehmen die Betroffenen deshalb mehrere verschiedene Mittel ein und besprechen regelmäßig mit ihren Ärztinnen und Ärzten, ob die Behandlung an die Erkrankung oder an bemerkte Nebenwirkungen angepasst werden muss.
Blutdrucksenkende Medikamente
Ob und welche blutdrucksenkenden Mittel bei einer chronischen Nierenerkrankungen sinnvoll sind, hängt vor allem davon ab,
- wie hoch der Blutdruck ist und
- wie viel Eiweiß der Urin enthält.
Wer eine chronische Nierenkrankheit, aber einen normalen Blutdruck hat und kein Eiweiß, genauer gesagt Albumin, im Urin ausscheidet, kann ohne blutdrucksenkende Medikamente auskommen. Bei Bluthochdruck oder viel Albumin im Urin wird dagegen eine Therapie mit einem sogenannten ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) oder alternativ mit einem Sartan (Angiotensin-Antagonist) empfohlen – wenn gleichzeitig ein Diabetes vorliegt, auch schon bei einer geringeren Albuminausscheidung.
Studien haben gezeigt, dass ACE-Hemmer oder Sartane bei einer chronischen Nierenkrankheit einen erhöhten Blutdruck senken und das Risiko für ein vollständiges Nierenversagen verringern. Außerdem sinkt durch die Therapie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das durch die Nierenerkrankung erhöht ist. Ist die Nierenkrankheit allerdings schon sehr weit fortgeschritten und eine Dialysebehandlung nötig, scheinen diese Wirkstoffe nicht mehr vor Komplikationen zu schützen.
Wenn Menschen mit chronischer Nierenkrankheit auch Diabetes haben oder ihr Blutdruck trotz ACE-Hemmern oder Sartanen immer noch zu hoch ist, werden auch weitere Blutdrucksenker gegeben, sogenannte Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten.
SGLT-2-Hemmer
Cholesterinsenker (Statine)
Statine sind Medikamente, die den Cholesterinspiegel im Blut senken. Sie können vor Herz- und Gefäßproblemen schützen. Da Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit ein erhöhtes Risiko für solche Komplikationen haben, werden ihnen diese Mittel empfohlen. Wahrscheinlich sind sie am wirksamsten, wenn man die Behandlung frühzeitig beginnt. Ob die Mittel auch noch vor Herz-Kreislauf-Komplikationen schützen, wenn man bereits eine Dialyse benötigt, ist unklar. Fachleute empfehlen aber, die Mittel dann trotzdem weiter einzunehmen.
Ob Statine auch das Fortschreiten der Nierenerkrankung bremsen, ist ebenfalls unklar.
Gerinnungshemmer wie ASS
Gerinnungshemmer – auch Blutverdünner genannt – wie Acetylsalicylsäure (ASS) setzen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab und können dadurch einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugen. Die Mittel werden bei Menschen mit chronischer Nierenkrankheit eingesetzt, die ein hohes Risiko für solche Komplikationen haben – etwa wenn sie schon einmal einen Herzinfarkt hatten.
Gerinnungshemmer können jedoch Blutungen auslösen, und ASS kann vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung die Nierenfunktion weiter verschlechtern. Die Vor- und Nachteile dieser Mittel müssen deshalb immer sorgfältig abgewogen werden.
Harnsäuresenkende Mittel
Durch die geschwächte Nierenfunktion können sich Harnsäuresalze im Blut ansammeln. Wenn es dadurch zu Gicht kommt, können Medikamente wie Allopurinol eingesetzt werden, die den Harnsäurespiegel senken. Nebenwirkungen dieser Mittel sind unter anderem Hautausschläge und Übelkeit.
Ob harnsäuresenkende Mittel bei chronischer Nierenkrankheit zusätzliche Vorteile haben und zum Beispiel das Fortschreiten der Erkrankung bremsen könnnen, ist unklar.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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