InformationenDepression nach einem Schlaganfall

Depression nach einem Schlaganfall

Depression nach einem Schlaganfall
Aktualisiert am: 27.07.2022· Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Manche Menschen entwickeln nach einem eine . Es ist wichtig, diese zu erkennen und zu behandeln. Entscheidend sind eine gute medizinische und pflegerische Versorgung und die Unterstützung durch Angehörige und Freundeskreis.

Trauer und Niedergeschlagenheit sind kurz nach einem normal. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickeln als Folge jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Die Erkrankung wird auch „PSD“ genannt (Abkürzung der englischen Bezeichnung „Post-Stroke-Depression“). Frauen haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko als Männer, nach einem eine zu bekommen.

Nicht immer werden Depressionen nach einem erkannt und ausreichend behandelt. Umso wichtiger ist es, Anzeichen dafür ernstzunehmen. Denn eine belastet nicht nur seelisch, sondern kann auch die körperliche Genesung beeinträchtigen.

Weshalb kann sich nach einem Schlaganfall eine Depression entwickeln?

Man weiß nicht genau, ob Depressionen nach einem Schlaganfall vorwiegend körperliche oder psychische Ursachen haben. Denn bei einem Schlaganfall wird das Gehirn geschädigt, und diese Gehirnschäden können auch das Gefühlsleben verändern. Eine Depression kann aber auch eine Reaktion auf die körperlichen und geistigen Einschränkungen und den plötzlichen Verlust der Selbstständigkeit sein. Dies wird reaktive Depression genannt.

Depressionen treten meist in den ersten Wochen nach einem Schlaganfall auf. In dieser Zeit müssen Betroffene die Erfahrung verarbeiten, dass ihr Leben bedroht war, und sich von der körperlichen Belastung erholen. Mittel- und langfristig müssen manche Menschen lernen, mit Behinderungen und ihren Folgen für den Alltag sowie für die Kontakte zu Familie, Freundinnen und Freunden umzugehen. Dies kann einige Zeit dauern, und manchmal entwickelt sich vielleicht erst dann eine Depression.

Nach schweren Schlaganfällen kommt es häufiger zu Depressionen als nach leichteren; ebenso bei Menschen, die schon einmal eine Depression durchgemacht haben. Das Ausmaß der Depression hängt oft davon ab, wie stark die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Es gibt Hinweise aus Studien, dass auch die soziale Situation und die Wohnverhältnisse die Entstehung einer Depression beeinflussen können. Wenn Betroffene und ihre Angehörigen eine gute therapeutische und soziale Unterstützung bekommen, könnte dies zudem das Risiko senken, depressiv zu werden.

Bei manchen Menschen verschwindet eine Depression nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von selbst. Die meisten Menschen benötigen allerdings Hilfe, um die Erkrankung zu überwinden.

Woran erkennt man eine Depression nach einem Schlaganfall?

Eine Depression nach einem Schlaganfall lässt sich genau wie eine „normale“ Depression an folgenden Anzeichen erkennen:

  • tiefe Traurigkeit
  • Interessenverlust
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Schlafstörungen
  • negative und pessimistische Gedanken über die Zukunft
  • Selbsttötungsgedanken

Wenn mehrere dieser Symptome mehr als zwei Wochen andauern, kann das ein Zeichen für eine Depression sein. Es ist wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen, wenn man glaubt, dass es sich um eine Depression handeln könnte.

Es kann schwierig sein, den Unterschied zwischen einer Depression und einer durch die Erkrankung ausgelösten Niedergeschlagenheit zu erkennen. Oft ist eine Körperseite gelähmt, dadurch sind die Beweglichkeit und die Selbstständigkeit stark eingeschränkt. Alltagstätigkeiten wie die Körperpflege und das Essen fallen schwer und sind häufig nur mit fremder Hilfe möglich. Die Lähmung stört zudem das Körpergefühl, da die gelähmte Seite schlecht bis gar nicht mehr wahrgenommen wird. All dies kann sehr belastend sein.

Menschen mit einer Depression nach einem Schlaganfall können zudem aufgrund von Sprachstörungen oft nicht selbst auf ihr Befinden hinweisen. Es kann sehr deprimierend sein, sich nicht mehr oder nur eingeschränkt verständlich machen zu können. Manche wirken vielleicht auch nur depressiv, weil sie ihre Gefühle nicht mehr so gut äußern können wie vor dem Schlaganfall. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Menschen um sie herum auf Anzeichen für eine Depression achten – also ärztliches und pflegerisches Personal, aber auch Angehörige, Freundinnen und Freunde.

Manche Menschen haben nach einem Schlaganfall weniger Kontrolle über den Ausdruck ihrer Gefühle: Es kann sein, dass sie plötzlich „grundlos“ anfangen zu weinen, manchmal auch zu lachen. Oder sie sind allgemein unbeständiger und launischer und reagieren sehr emotional. Diese erhöhte Gefühlsbetontheit ist etwas anderes als eine Depression – auch wenn es gewisse Ähnlichkeiten gibt.

Was sind die Folgen einer Depression?

Eine Depression kann nicht nur die Lebensqualität deutlich einschränken, sondern auch die Genesung nach einem Schlaganfall verzögern. Ob sich die krankheitsbedingten Einschränkungen bessern, hängt auch von der aktiven Mitarbeit bei der Therapie ab. So können beispielsweise körperliche Übungen helfen, die Lähmungen auf der betroffenen Körperseite zu mindern. Oft dauert die Genesung jedoch sehr lange und erfordert viel Geduld und Motivation. Mit einer Depression ist es schwieriger, sich zu motivieren und so intensiv an der Wiederherstellung der eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, wie es nicht depressive Menschen können. All dies kann die Gesundung verzögern oder die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sogar vermindern.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Depressionen werden oft mit Medikamenten (Antidepressiva) und / oder psychotherapeutischen Verfahren behandelt. Aber auch die ganz alltägliche Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte kann eine wichtige Rolle im Genesungsprozess oder im Umgang mit den bleibenden Einschränkungen spielen.

Entscheidend ist eine gut organisierte Behandlung und Rehabilitation, die dazu beiträgt, die krankheitsbedingten Einschränkungen zu bessern. Eine gute körperliche Genesung kann sich wiederum positiv auf die psychische Gesundheit auswirken.

Können Antidepressiva helfen?

Studien zeigen, dass Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) Menschen helfen können, die nach einem Schlaganfall eine Depression entwickelt haben. Möglicherweise wirken sie sich auch auf die körperliche Genesung positiv aus. Am besten untersucht sind zwei Gruppen von Antidepressiva: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und trizyklische Antidepressiva. Sie gehören zu den bei Depressionen am häufigsten eingenommenen Wirkstoffen.

Nach etwa 2 bis 4 Monaten Studiendauer zeigte sich:

  • Ohne Antidepressiva hatten 71 von 100 Menschen noch eine Depression.
  • Mit Antidepressiva hatten 50 von 100 Menschen noch eine Depression.

Die Antidepressiva wirkten also bei 21 von 100 Menschen gegen die Depression.

Die Wirkung der Medikamente setzt nicht sofort ein. Innerhalb der ersten 6 bis 8 Wochen verringern sich die Beschwerden jedoch oft. Manchen Menschen geht es allerdings auch ohne die Einnahme von Antidepressiva mit der Zeit wieder besser. Generell gilt: Je ausgeprägter die Depression, desto größer ist der Nutzen der Medikamente. Manchmal bleibt die Depression allerdings trotz Medikamenten länger bestehen oder kehrt wieder.

Welche Nebenwirkungen können Antidepressiva haben?

Antidepressiva können unter anderem Benommenheit, Zittern und Verdauungsprobleme auslösen. Es ist aber noch nicht ausreichend untersucht, wie häufig solche Nebenwirkungen bei Menschen nach einem Schlaganfall auftreten. Da nach einem Schlaganfall das Laufen schwerfallen oder nur mit Unterstützung möglich sein kann, ist es besonders wichtig, auf Nebenwirkungen zu achten, die die Koordination beeinflussen. Schwindel und Benommenheit können zum Beispiel das Sturzrisiko erhöhen. Noch nicht ausreichend untersucht ist, wie sich Antidepressiva bei speziellen Problemen wie beispielsweise Sprach- und Verständnisstörungen auswirken.

Antidepressiva können zudem Wechselwirkungen haben – das heißt, die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Aus diesen und anderen Gründen werden Menschen nach einem Schlaganfall, die Antidepressiva einnehmen, sorgfältig ärztlich überwacht. Denn es könnte notwendig sein, die Mittel wieder abzusetzen oder das Medikament zu wechseln.

Was bewirken psychologische und psychotherapeutische Hilfen?

Psychiatrische und psychologische Fachkräfte können dabei unterstützen, mit der Erkrankung und der veränderten Lebenssituation umzugehen. Im Krankenhaus oder der Rehaklinik gibt es entsprechende Angebote. Außerhalb von Kliniken kann man sich zum Beispiel an psychosoziale Beratungsstellen und psychotherapeutische Praxen wenden.

Studien sprechen dafür, dass eine Psychotherapie helfen kann, eine Depression nach einem Schlaganfall zu lindern:

  • Ohne Psychotherapie: Nach einem Jahr hatten noch 75 von 100 Menschen eine Depression.
  • Mit Psychotherapie: Nach einem Jahr hatten noch 59 von 100 Menschen eine Depression.

Eine Psychotherapie half also 16 von 100 Menschen mit einer Depression nach einem Schlaganfall.

Wie kann man Menschen mit einer Depression unterstützen?

Die Genesung nach einem Schlaganfall gelingt besser, wenn alle Beteiligten die Behandlung intensiv unterstützen – also Fachkräfte aus Pflege, Physiotherapie und Psychologie, Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige. Beratung und Psychoedukation können dabei helfen. Bei der Psychoedukation lernen Betroffene und Angehörige, die Erkrankung zu verstehen und mit den Folgen umzugehen.

Es ist auch erwiesen, dass Ergotherapie helfen kann, bestimmte Körperfunktionen wiederzuerlangen. Dabei werden alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen oder Haushaltstätigkeiten geübt. Auch Bewegungs- und Krafttraining ist wichtig und kann sogar dazu beitragen, dass sich depressive Beschwerden bessern. Eine erfolgreiche Rehabilitation setzt eine hohe Motivation voraus, kann aber den entscheidenden Unterschied für die Lebensqualität nach einem Schlaganfall ausmachen.

Einfache Ermunterungsversuche oder Ratschläge sind für Menschen mit Depressionen meist nicht hilfreich. Mit der Erkrankung umzugehen, erfordert viel Einfühlsamkeit und Geduld. Hinzu kommt, dass der Gemütszustand bei einer Depression stark schwanken kann. Außerdem kann eine Depression sehr unterschiedlich verlaufen. Ältere Menschen klagen dabei zum Beispiel häufiger über Schmerzen als jüngere.

Welche Unterstützung ist für Angehörige wichtig?

Einen nahestehenden Menschen nach einem Schlaganfall zu betreuen, kann eine große Herausforderung sein und manchmal überfordern. Eine Depression kann sich daher auch bei pflegenden Angehörigen entwickeln. Dann fällt es den Angehörigen schwerer, jemanden nach einem Schlaganfall gut zu unterstützen – was beide Seiten wiederum zusätzlich belasten kann. Auf das Wohl der Helfenden zu achten, ist deshalb nicht nur für diese selbst und andere Familienangehörige wichtig, sondern auch für die Person, die den Schlaganfall hatte.

Es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können. Viele Städte und Gemeinden unterhalten auch Pflegeberatungsstellen, deren Angebot kostenlos ist. Angehörige können zudem Pflegekurse besuchen, in denen unter anderem Grundkenntnisse über Pflegetechniken vermittelt werden.

Quellen

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