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Früher Brustkrebs: Ist eine Chemotherapie sinnvoll?

Früher Brustkrebs: Ist eine Chemotherapie sinnvoll?
Aktualisiert am: 04.02.2026· Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Nach der Operation eines frühen Brustkrebses bleibt die Sorge, dass der Krebs zurückkehrt. Eine kann das Rückfallrisiko verringern. Sie ist aber nicht für alle Frauen sinnvoll, da bei manchen die Nachteile überwiegen.

Wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, kann der Tumor häufig durch eine Operation vollständig entfernt werden. Oft wird die Brust zusätzlich bestrahlt. Es kann aber sein, dass trotzdem Krebszellen im Körper bleiben, die selbst nach Jahren wieder wachsen können. Dann sprechen Fachleute von einem „“ oder „“.

Der Tumor kann erneut in der Brust oder in angrenzenden Bereichen entstehen (örtliches oder regionales ) oder an einer anderen Körperstelle wiederkehren (Fernrezidiv). Bei einem sind die Heilungschancen meist deutlich geringer.

Das Rückfallrisiko ist wichtig für die weitere Behandlung – vor allem für die Entscheidung für oder gegen eine : Je höher es ist, desto wahrscheinlicher ist es, von einer Chemotherapie zu profitieren. Deshalb wird das Rückfallrisiko nach jeder Brustkrebsoperation routinemäßig bestimmt.

Wie wird das Rückfallrisiko bei Brustkrebs bestimmt?

Um nach einer Operation das Rückfallrisiko zu beurteilen, werten Ärztinnen und Ärzte verschiedene klinische Kriterien aus:

  • Lymphknotenbefall: Sind Lymphknoten betroffen oder nicht? Wenn ja, wie viele?
  • Hormonempfindlichkeit: Hat der Tumor Andockstellen für Hormone wie Östrogen und Progesteron (Hormonrezeptor-positiver Brustkrebs)?
  • Differenzierungsgrad: Wie stark haben sich die Tumorzellen verändert?
  • Tumorgröße: Wie groß ist der Tumor?
  • Wachstumsgeschwindigkeit: Wie schnell haben sich die Tumorzellen vermehrt (Ki67-Wert)?
  • Wachstumsfaktoren: Hat der Tumor vermehrt Andockstellen für bestimmte Wachstumsfaktoren (HER2/neu)?
  • Alter: Wie alt ist die Frau? Hatte sie bereits ihre letzte Regelblutung?

Viele dieser klinischen Kriterien werden anhand einer Gewebeprobe des Tumors bestimmt, die nach der Operation genau untersucht wird.

Bei manchen Frauen kann es sinnvoll sein, zusätzlich einen Biomarker-Test einzusetzen. Dabei wird eine Gewebeprobe des Tumors im Labor auf bestimmte biologische Eigenschaften untersucht – vor allem auf Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen. Aus dem Ergebnis des Biomarker-Tests wird dann eine Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie abgeleitet.

Der Biomarker-Test kommt jedoch nur in folgender Situation infrage:

  • Die Wechseljahre sind eingetreten oder die Regelblutung wird durch eine Hormontherapie unterdrückt (Ovarialsuppression).
  • Es sind höchstens drei Lymphknoten befallen und der Tumor ist Hormonrezeptor-positiv sowie HER2/neu-negativ.

Was bedeutet ein niedriges Rückfallrisiko?

Bei einem niedrigen Rückfallrisiko ist das ermittelte Risiko so niedrig, dass die Ärztin oder der Arzt von einer Chemotherapie abrät. Eine Chemotherapie macht es zwar etwas weniger wahrscheinlich, dass der Krebs wiederkehrt. Aus ärztlicher Sicht überwiegen aber die Nebenwirkungen der Chemotherapie.

Einige Fachleute sprechen von einem „niedrigen Rückfallrisiko“, wenn innerhalb von zehn Jahren weniger als 5 von 100 Frauen erneut an Krebs erkranken. Andere ziehen die Grenze bei 10 von 100 Frauen.

Was bedeutet ein hohes Rückfallrisiko?

Bei einem hohen Rückfallrisiko ist das ermittelte Risiko so hoch, das die Ärztin oder der Arzt eine Chemotherapie empfiehlt. Denn eine Chemotherapie senkt die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall in dieser Situation deutlich. Aus ärztlicher Sicht überwiegen die Vorteile der Chemotherapie.

Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Chemotherapie, wenn innerhalb von zehn Jahren mehr als 15 von 100 Frauen erneut an Krebs erkranken. Andere ziehen die Grenze bei 20 von 100 Frauen.

Was bedeutet ein mittleres Rückfallrisiko?

Einige Frauen haben weder ein eindeutig niedriges noch ein eindeutig hohes Rückfallrisiko. Bei ihnen liegt das Rückfallrisiko dazwischen. Dann spricht man von einem „mittleren Rückfallrisiko“.

Bei einem mittleren Rückfallrisiko kann es besonders schwerfallen, sich für oder gegen eine Chemotherapie zu entscheiden. Das hat zwei Gründe:

  • Vor- und Nachteile einer Chemotherapie können sich gegenseitig fast aufwiegen: Haben die Belastungen und möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie mehr Gewicht? Oder die Chance, das Rückfallrisiko zu senken?
  • Auch ohne Chemotherapie wird der Krebs bei vergleichsweise wenigen Frauen wiederkehren. Für alle anderen ist die Chemotherapie eine unnötige Belastung.

Was kann ich von einer Chemotherapie erwarten?

Eine Chemotherapie verringert das Rückfallrisiko und damit die Wahrscheinlichkeit, erneut an Krebs zu erkranken, im Durchschnitt um etwa ein Drittel. Was das für eine Frau bedeutet, hängt davon ab, wie hoch ihr Rückfallrisiko ist. Im Folgenden drei konkrete Beispiele:

Rückfallrisiken nach Chemotherapie

Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 5 Prozent eine Chemotherapie etwa eine von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.
Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 5 Prozent eine Chemotherapie etwa eine von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.
Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 10 Prozent eine Chemotherapie 3 von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.
Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 10 Prozent eine Chemotherapie 3 von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.
Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 20 Prozent eine Chemotherapie 6 von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.
Das Piktogramm zeigt, dass bei einem Rückfallrisiko von 20 Prozent eine Chemotherapie 6 von 100 Frauen vor einem Rückfall schützen kann.

Welche Nachteile hat eine Chemotherapie?

Eine Chemotherapie kann psychisch belastend sein und die Lebensqualität beeinträchtigen. Darüber hinaus kann sie verschiedene Nebenwirkungen haben.

Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie hängen davon ab, welche Wirkstoffe eingesetzt werden und wie viele Behandlungszyklen sie umfasst. Sie lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Nebenwirkungen, die häufig auftreten, aber nicht lebensbedrohlich sind: Sehr viele Frauen haben für eine Chemotherapie typische Nebenwirkungen. Ihnen ist zum Beispiel übel, ihre Haare fallen aus oder sie sind erschöpft. Diese Nebenwirkungen können unterschiedlich lang anhalten.
  • Nebenwirkungen, die lebensbedrohlich sein können: Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres aufgrund der Chemotherapie ins Krankenhaus oder in die Notaufnahme müssen. Ein häufiger Grund hierfür ist, dass eine Chemotherapie das Immunsystem so stark schwächt, dass der Körper selbst normalerweise harmlose Infektionen nicht mehr ausreichend abwehren kann. Wenn typische Nebenwirkungen besonders stark ausgeprägt sind, können sie ebenfalls lebensbedrohlich sein, zum Beispiel extreme Übelkeit und Erbrechen.
  • Nebenwirkungen und Spätfolgen, die nach der Chemotherapie das Leben beeinträchtigen können: Wie häufig solche Nebenwirkungen auftreten, ist kaum erforscht. Schwere Komplikationen nach der Therapie sind zwar selten, wiegen aber besonders schwer. Zu ihnen zählen zum Beispiel Nervenschäden. Sie können dazu führen, dass das Gefühl beispielswiese in den Fingern oder Zehen für lange Zeit verloren geht. Auch Herzschäden sind möglich. Es wird geschätzt, dass etwa 3 von 100 Frauen davon betroffen sind. Eine Chemotherapie erhöht zudem das Risiko, dass Jahre später Blutkrebs (Leukämie) auftritt. Daran erkranken aber weniger als 1 von 100 Frauen.

Wichtig für Frauen mit Kinderwunsch: Eine Chemotherapie kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie kann dazu führen, dass die Regelblutung ausbleibt oder die Wechseljahre vorzeitig einsetzen. Wenn sich eine Frau noch Kinder wünscht, ist es daher sinnvoll, sich vor einer Chemotherapie beraten zu lassen. Dann sind vor Beginn einer Chemotherapie verschiedene fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen möglich.

Wie abwägen und entscheiden?

Die entscheidende Frage ist: „Hat eine Chemotherapie für mich mehr Vor- oder mehr Nachteile?“ Die Antwort auf diese Frage ist ganz individuell – und auch Ärztinnen und Ärzte können zu unterschiedlichen Empfehlungen kommen.

Die Antwort hängt vor allem davon ab, wie groß der mögliche Nutzen einer Chemotherapie ist: Je höher das Rückfallrisiko ist, desto größer ist der mögliche Nutzen. Je niedriger es ist, desto schwerer wiegen die möglichen Nachteile einer Chemotherapie. Aber auch die körperliche Verfassung und die Lebenserwartung sind wichtig für die Entscheidung. Zum Beispiel kann eine Chemotherapie bei einer Herzerkrankung oder Nierenschädigung zu belastend sein.

Darüber hinaus spielen verschiedene persönliche Aspekte eine Rolle: zum Beispiel, wie groß die Sorge vor einem Rückfall ist oder wie man die Nebenwirkungen einer Chemotherapie für sich persönlich einschätzt. Die aktuelle Lebenssituation kann die Abwägung ebenfalls beeinflussen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.

Die Abwägung ist oft schwer, doch man muss sie nicht allein bewältigen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, jeder Frau die Unterstützung zu geben, die sie benötigt. Es kann auch hilfreich sein, bei einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt eine zweite Meinung einzuholen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. AWMF-Registernr.: 032–045OL. 2025.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Biomarkerbasierte Tests zur Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom mit Befall von 1 bis 3 Lymphknoten und bei prämenopausalen Patientinnen ohne Lymphknotenbefall. Abschlussbericht D23-01A / D23-01B. 2024.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Entscheidungshilfe zu Biomarker-Tests bei Brustkrebs: Addendum zum Auftrag D14-01; Auftrag P17-03. 2017.

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