InformationenHormonbehandlung bei Myomen

Hormonbehandlung bei Myomen

Hormonbehandlung bei Myomen
Aktualisiert am: 28.05.2025· Nächstes Update: 2028
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Weibliche Geschlechtshormone spielen eine wichtige Rolle beim Wachstum von Myomen. Deshalb ist es mit bestimmten Hormonbehandlungen möglich, Myome zu verkleinern. Sie können zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden, aber auch zur Vorbereitung einer Operation.

Myome machen sich oft gar nicht bemerkbar. Die gutartigen Geschwulste in oder an der Gebärmutter können aber auch zu starken Blutungen und Schmerzen während der Periode führen. Bestimmte Hormonbehandlungen können diese Beschwerden vorübergehend lindern und Myome schrumpfen lassen – sie aber nicht beseitigen. Wegen ihrer Nebenwirkungen werden hormonelle Mittel meist nur über eine begrenzte Zeit eingesetzt. Die Mittel wirken nur, solange sie angewendet werden: Nach der Behandlung können die Myome wieder wachsen.

Meist dient eine Behandlung mit hormonellen Medikamenten dazu, Myome vor einer Operation zu verkleinern. Sie kann aber auch für Frauen kurz vor den Wechseljahren eine Möglichkeit sein – oder für Frauen, für die eine Operation nicht infrage kommt.

Welche hormonellen Therapien stehen zur Verfügung?

Zu den hormonellen Mitteln gehören:

  • GnRH-Agonisten (als Spritze oder Nasenspray)
  • GnRH-Antagonisten (als Tablette)
  • Gestagene (in Hormonspirale und Minipille)
  • Gestagen-Östrogen-Kombinationen (Kombi-Pille)

Der Wirkstoff Ulipristal (Handelsname Esmya) wurde 2024 vom Hersteller vom Markt genommen.

GnRH-Agonisten

GnRH-Agonisten sind künstlich hergestellte Hormone. Sie sorgen dafür, dass die Eierstöcke weniger Östrogene bilden. Diese körpereigenen Hormone fördern das Wachstum der Myome. Wird der Östrogenspiegel mit GnRH-Agonisten gesenkt, wachsen Myome daher vorübergehend nicht weiter oder schrumpfen sogar. Wie andere hormonelle Mittel können GnRH-Agonisten bewirken, dass die Periode ganz ausbleibt.

Die Hormone werden meist einmal monatlich unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Es gibt auch Depotspritzen, die über 3 Monate wirken, sowie ein Nasenspray, das täglich angewendet wird. GnRH-Agonisten sind nur zur kurzfristigen Behandlung geeignet (bis zu 6 Monate).

Während der Behandlung ist es wichtig, die Größe der Myome ärztlich kontrollieren zu lassen und zu beobachten, wie sich die Beschwerden entwickeln. Zur Kontrolle gehört auch, auf Nebenwirkungen zu achten.

Wie gut helfen GnRH-Agonisten?

GnRH-Agonisten bewirken, dass Myome nicht weiterwachsen oder schrumpfen. Dadurch können Menstruationsblutungen und -schmerzen schwächer werden. Wenn die starke Periode zu einer Blutarmut (Anämie) geführt hat, kann diese sich durch die Behandlung bessern. Allerdings wirken die Hormone nicht bei allen Frauen: Etwa die Hälfte spürt keine Verbesserung ihrer Beschwerden.

GnRH-Agonisten werden in der Regel nur bis zu sechs Monate lang angewendet – oft mit dem Ziel, die Myome vor einer geplanten Operation zu verkleinern. Bei der Operation sind dann weniger große Schnitte an der Gebärmutter nötig, um die Myome zu entfernen. Es kommt bei kleineren Myomen auch zu weniger Blutverlust und seltener zu Komplikationen als bei größeren.

Ob GnRH-Agonisten sinnvoll sind, hängt von der Art der Myome und dem geplanten Eingriff ab. Studien zeigen, dass sie vor einer Myomentfernung (Myomektomie) und einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) Vorteile haben. Sollen direkt unter der Gebärmutterschleimhaut liegende Myome im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) entfernt werden, haben GnRH-Agonisten hingegen keine Vorteile.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Der Östrogenmangel durch GnRH-Agonisten kann zu teils belastenden Beschwerden führen. So lösen die Medikamente oft Beschwerden aus, wie sie auch in den Wechseljahren auftreten können: Bei über der Hälfte der Frauen kommt es etwa zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen oder Scheidenentzündungen.

GnRH-Agonisten können das Risiko für Osteoporose erhöhen, wenn sie länger als etwa ein Jahr eingenommen werden. Wegen ihrer Nebenwirkungen eignen sich GnRH-Agonisten nicht zur dauerhaften Behandlung.

GnRH-Antagonisten

GnRH-Antagonisten sorgen dafür, dass die Hirnanhangdrüse weniger Fruchtbarkeitshormone ausschüttet. Aus dieser Wirkstoffgruppe ist bislang ein Medikament für die Behandlung von Myomen zugelassen. Es handelt sich um eine Kombination der Wirkstoffe Relugolix, Estradiol und Norethisteronacetat (Handelsname Ryeqo).

Das Präparat wird täglich als Tablette eingenommen und kann über einen längeren Zeitraum angewendet werden als GnRH-Agonisten. GnRH-Antagonisten können ebenfalls bewirken, dass die Periode ganz ausbleibt.

Wie gut helfen GnRH-Antagonisten?

In 2 Studien mit etwa 250 Frauen zeigte sich:

  • Bei 7 von 100 Frauen, die ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen, schwächte sich die Periode ab.
  • Bei 70 von 100 Frauen, die die Kombination Relugolix / Estradiol / Norethisteronacetat einnahmen, schwächte sich die Periode ab.

Zudem besserten sich die Symptome insgesamt, die Schmerzen ließen nach und die Lebensqualität der Frauen stieg.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Hitzewallungen oder Zwischenblutungen. Das Präparat ist aber meist gut verträglich: Nur wenige Frauen brechen die Behandlung deswegen ab.

Hormonspirale

Eine Hormonspirale wird in die Gebärmutter (Uterus) eingesetzt und kann dort 3 bis 8 Jahre lang bleiben. Hormonspiralen werden meist als Verhütungsmittel verwendet. Sie setzen kontinuierlich künstliche Hormone frei, die den Gestagenen ähneln. Diese weiblichen Geschlechtshormone stoppen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium).

Eine Hormonspirale eignet sich nur, wenn die Myome nicht zu groß sind. Verformen die Myome die Gebärmutterhöhle, kann keine Spirale eingesetzt werden.

Wie gut hilft die Hormonspirale?

Die Hormonspirale kann die Myome selbst nicht verkleinern. Beschwerden wie Schmerzen und Krämpfe kann sie deshalb nicht lindern. Da die Hormone den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hemmen, wird die Periode oft schwächer oder bleibt ganz aus. So kann die Spirale den Blutverlust während der Menstruation verringern und einer Blutarmut vorbeugen.

Während der ersten Zeit der Behandlung ist es hilfreich, zum Beispiel in einem Tagebuch aufzuschreiben, wie oft noch starke Blutungen vorkommen, ob sich andere Beschwerden bessern und ob Nebenwirkungen auftreten. Anhand dieser Notizen lässt sich mit der Ärztin oder dem Arzt überprüfen, wie nützlich die Hormonspirale ist.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Hormonspirale kann unter anderem zu Akne, Zwischenblutungen, Stimmungsschwankungen und Spannungsgefühlen in der Brust führen. Es können auch Schmier- und Zwischenblutungen auftreten. Solche Nebenwirkungen sind in den ersten Monaten der Behandlung häufiger. Die Spirale kann verrutschen oder ausgestoßen werden: Innerhalb von 5 Jahren passiert dies etwa 50 von 1000 Frauen. Das Einsetzen der Hormonspirale birgt ein kleines Risiko: Laut Schätzungen wird bei bis zu 1 von 1000 Frauen dabei die Gebärmutter verletzt.

Verhütungspillen: Minipille und Kombi-Pille

Die Verhütungspille enthält entweder eine Kombination aus den Hormonen Östrogen und Gestagen (Kombi-Pille) oder Gestagen allein (Minipille). Die Kombi-Pille und die Minipille können die Menstruation abschwächen. Deshalb sind sie eine Möglichkeit für Frauen, denen vor allem eine starke Blutung zu schaffen macht. Wie gut die Pille gegen Beschwerden durch Myome hilft – auch im Vergleich zu anderen Behandlungen –, ist allerdings unklar. Insgesamt ist diese Frage schlecht untersucht, verlässliche Studien fehlen.

Nimmt man die Kombi-Pille durchgehend ein, bleibt die Periode mit der Zeit meist ganz aus. Eine durchgehende Einnahme ohne oder mit selteneren Einnahmepausen wird „Langzyklus“ genannt. Wenn ein Präparat für diese Art der Anwendung nicht zugelassen ist, handelt es sich um einen „nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch“ (Off-Label-Use). Das kann bedeuten, dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.

Die Pille kann zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Spannungsgefühlen in der Brust führen. Vor allem bei älteren Frauen und Raucherinnen erhöht sie das Risiko für Blutgerinnsel (Thromboserisiko).

Quellen

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