InformationenWann sind Medikamente gegen hohen Blutdruck sinnvoll?

Wann sind Medikamente gegen hohen Blutdruck sinnvoll?

Wann sind Medikamente gegen hohen Blutdruck sinnvoll?
Aktualisiert am: 22.05.2024· Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Bluthochdruck erhöht auf Dauer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Medikamente können es senken. Ob sich die Einnahme lohnt, hängt davon ab, wie hoch der Blutdruck ist – aber auch vom eigenen Risiko für Folgeerkrankungen.

Bei erhöhtem Blutdruck lohnt der Versuch, ihn durch eine Gewichtsabnahme, salzärmere Kost und mehr Bewegung zu senken. Außerdem ist es sinnvoll, wenig oder keinen Alkohol zu trinken und auf Tabak zu verzichten. Auch eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten kommt infrage.

Ob es sich lohnt, Blutdrucksenker zu nehmen, hängt davon ab,

  • wie hoch der Blutdruck ist,
  • welche zusätzlichen Risikofaktoren man hat und
  • wie man die Vor- und Nachteile der Medikamente für sich persönlich abwägt.

Blutdrucksenker schützen nur dann vor Folgeerkrankungen wie einem oder , wenn sie dauerhaft und regelmäßig eingenommen werden. Wenn man sich entscheidet, Medikamente gegen hohen Blutdruck zu nehmen, ist das daher eine Entscheidung für viele Jahre.

Wie hoch ist mein persönliches Risiko für Folgeerkrankungen?

Das Risiko, dass Bluthochdruck zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, ist höher, wenn folgende Faktoren hinzukommen:

  • höheres Lebensalter
  • männliches Geschlecht
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • hohe Cholesterinwerte im Blut
  • familiäre Veranlagung: Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, deren Bruder oder Vater bereits mit unter 55 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte oder deren Schwester oder Mutter mit unter 65 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte.

Das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich zusammen mit einer Ärztin oder einem Arzt ermitteln. Dazu sind genaue Angaben zu den einzelnen Risikofaktoren nötig. Außerdem müssen der aktuelle Blutdruck sowie die Cholesterin- und Blutzuckerwerte bestimmt werden. Alles zusammen wird in ein Computerprogramm eingegeben, das eine Risikoabschätzung vornimmt. Grundlage der Berechnung sind Daten aus Studien, in denen viele tausend Menschen über Jahre beobachtet wurden.

Als Ergebnis der Schätzung erhält man einen Prozentwert, der die Wahrscheinlichkeit angibt, in den nächsten zehn Jahren einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu bekommen.

Beispiel: Zwei Männer – zwei Risikowerte

Stellen Sie sich zwei Männer vor: Joachim und Heinz. Beide sind 60 Jahre alt und haben einen leicht erhöhten Blutdruck von 142 zu 93 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule).

Joachim hat

  • keine weiteren Risikofaktoren.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass er in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt, liegt bei 11 %. Das bedeutet: 11 von 100 Männern mit dem gleichen Risiko wie Joachim müssen in den nächsten zehn Jahren mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall rechnen.

Heinz dagegen

  • raucht,
  • hat einen leichten Typ-2-Diabetes und
  • ungünstige Cholesterinwerte.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass er in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hat, ist dreimal so hoch wie bei Joachim: Sie liegt bei 33 %.

Die Risikoabschätzung zeigt: Obwohl die beiden Männer den gleichen Blutdruck haben, unterscheidet sich ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.

Wie beeinflusst das persönliche Risiko den Nutzen der Medikamente?

Blutdruck-Medikamente können das Zehn-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 20 bis 30 % des persönlichen Ausgangswerts senken. Das heißt: Je höher das eigene Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, desto mehr profitiert man von Blutdrucksenkern.

Geht man von einer Risikosenkung um 20 % des persönlichen Ausgangswerts aus, bedeutet das für die Männer in unserem Beispiel:

  • Wenn Joachim Blutdrucksenker nimmt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt, von 11 auf 9 %.
  • Wenn Heinz Blutdrucksenker nimmt, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall von 33 auf 26 %.

Die folgende Grafik stellt dies noch einmal anschaulich dar:

Bluthochdruck: Nutzen der Behandlung hängt von den Risikofaktoren ab - wie im Text beschrieben
Bluthochdruck: Nutzen der Behandlung hängt von den Risikofaktoren ab - wie im Text beschrieben

Wie entscheiden sich Joachim und Heinz?

Joachim und Heinz haben zusammen mit ihren Hausärztinnen ihr Herz-Kreislauf-Risiko ermittelt und die nächsten Schritte besprochen.

Joachim hat sich gegen Blutdrucksenker entschieden. Er fühlt sich gesund und möchte deshalb nicht jeden Tag Medikamente nehmen – zumal sein Erkrankungsrisiko dadurch nur um 2 % sinken würde. Joachim findet außerdem, dass er schon sehr gesund lebt: Er nimmt jedes Jahr an mehreren Volksläufen teil, ernährt sich ausgewogen und trinkt wenig Alkohol. Er sagt sich: „Falls mein Blutdruck in ein paar Jahren stark steigen sollte, kann ich immer noch Medikamente nehmen.“

Heinz hat sich für die Medikamente entschieden, will aber auch ernsthaft versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Zahlen, die ihm seine Hausärztin erklärt hat, haben ihn zum Nachdenken gebracht. Ein Erkrankungsrisiko von 33 % findet er schon sehr hoch. Auf seine Frage nach möglichen Nebenwirkungen hat ihm seine Ärztin versichert, dass die meisten Menschen Blutdrucksenker gut vertragen.

Die Geschichten von Joachim und Heinz zeigen: Ob jemand Medikamente nehmen möchte oder nicht, ist auch eine Frage der persönlichen Abwägung.

Quellen

Arriba. Kardiovaskuläre Prävention: Kardiovaskuläres Risiko berechnen. 2023.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nutzenbewertung nichtmedikamentöser Behandlungsstrategien bei Patienten mit essentieller Hypertonie: Steigerung der körperlichen Aktivität: Rapid Report; Auftrag A05-21D. 2010.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Vergleichende Nutzenbewertung verschiedener antihypertensiver Wirkstoffgruppen als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essentieller Hypertonie: Abschlussbericht; Auftrag A05-09. 2009.

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