InformationenWelche Medikamente auf Rezept helfen beim Rauchstopp?

Welche Medikamente auf Rezept helfen beim Rauchstopp?

Welche Medikamente auf Rezept helfen beim Rauchstopp?
Aktualisiert am: 18.03.2026· Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Vareniclin erhöht die Chance auf einen erfolgreichen Rauchstopp. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schlafstörungen und seltsame Träume. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten für das Medikament.

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine beachtliche Leistung. Eine gute Vorbereitung und Unterstützungsmöglichkeiten helfen, erfolgreich von Zigaretten und anderen Tabakprodukten loszukommen. Daneben gibt es auch Medikamente, die den Rauchstopp erleichtern können.

Zur Entwöhnung vom Tabakrauch sind in Deutschland die Wirkstoffe Bupropion, Cytisin und Vareniclin zugelassen. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig, müssen also von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben werden.

Wann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Manchmal übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Vareniclin. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Zunächst muss die Ärztin oder der Arzt feststellen, dass eine Tabakabhängigkeit besteht. Danach prüft sie oder er, ob es sich um eine schwere Tabakabhängigkeit handelt. Dazu wird der sogenannte Fagerström-Test eingesetzt: Als schwer tabakabhängig gilt, wer in dem Test mindestens 6 Punkte erreicht. Eine schwere Tabakabhängigkeit liegt auch vor, wenn es zum Beispiel trotz einer Lungen- oder Herzkrankheit oder einer Schwangerschaft nicht gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Man meldet sich selbst für ein anerkanntes Entwöhnungsprogramm an. Das kann ein zertifizierter Entwöhnungskurs der gesetzlichen Krankenkassen oder eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sein. Damit die Ärztin oder der Arzt ein Rezept ausstellen kann, muss sie oder er über die Anmeldung informiert werden. Dafür kann man zum Beispiel die Anmeldebestätigung vorlegen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann die Ärztin oder der Arzt Vareniclin auf Kosten der Krankenkassen verschreiben. In der Regel dauert die Behandlung mit solchen Mitteln etwa drei Monate. Manchmal kann eine medikamentöse Unterstützung weiterhin sinnvoll sein. Dies prüft die Ärztin oder der Arzt nach der üblicherweise empfohlenen Therapiedauer. Wenn die Raucherentwöhnung nicht erfolgreich war, ist ein weiteres Rezept drei Jahre später möglich.

Bupropion und Cytisin können nicht auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verschrieben werden, weil ihr Nutzen bei Menschen mit schwerer Tabakabhängigkeit unklar ist.

Wie wird Vareniclin angewendet?

Vareniclin wirkt auf zwei Arten:

  • Es dämpft die Nikotin-Entzugserscheinungen.
  • Es mindert das Vergnügen am Rauchen.

Die Behandlung beginnt 1 bis 2 Wochen vor dem Rauchstopp. Die Dosierung des Medikaments wird schrittweise erhöht:

  • In den ersten 3 Tagen der Behandlung nimmt man täglich 1 Tablette mit 0,5 mg des Wirkstoffs.
  • An den Tagen 4 bis 7 nimmt man täglich 2 Tabletten mit 0,5 mg.
  • Ab Tag 8, dem Beginn der zweiten Behandlungswoche, nimmt man täglich 2 Tabletten mit 1 mg Wirkstoff. In diese Woche fällt auch der Rauchstopp, für den man vorher einen Tag festlegt.

Das Mittel wird morgens und abends mit einem Glas Wasser eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten. Insgesamt dauert die Behandlung mit Vareniclin 12 Wochen.

Wenn es nicht gelingt, an einem festen Stichtag mit dem Rauchen aufzuhören, kann man schrittweise vorgehen. Dann verringert man die Zahl der gerauchten Zigaretten über einige Wochen. Nach 12 Wochen sollte man ganz aufgehört haben. Dann wird die Behandlung mit Vareniclin noch für weitere 12 Wochen fortgesetzt.

Wie gut hilft Vareniclin?

Vareniclin kann einen Rauchstopp wirksam unterstützen: Studien zeigen, dass es etwa 14 von 100 Menschen hilft, vom Tabakrauchen loszukommen.

Die Mengengrafik stellt dar, wie gut Vareniclin bei der Raucherentwöhnung hilft.
Die Mengengrafik stellt dar, wie gut Vareniclin bei der Raucherentwöhnung hilft.

Welche Nebenwirkungen hat Vareniclin?

In Studien löste Vareniclin bei 20 von 100 Personen Übelkeit aus. Sie legte sich aber oft wieder, wenn man das Medikament weiter einnahm. Zudem hatten 9 von 100 Personen mit Schlaflosigkeit und / oder seltsamen Träumen zu tun. Seltener kommt es auch zu Kopfschmerzen, Erschöpfung oder einem trockenen Mund. In Studien brach 1 von 100 Personen die Behandlung mit Vareniclin wegen Nebenwirkungen ab.

Die Dosierung wird zu Beginn der Behandlung schrittweise erhöht, um Nebenwirkungen wie Übelkeit zu vermeiden. Wer das Mittel trotzdem schlecht verträgt, kann die Dosis auf die Hälfte reduzieren (zweimal 0,5 mg pro Tag).

Ist Vareniclin unbedenklich?

Ernsthafte Nebenwirkungen von Vareniclin sind, falls sie überhaupt vorkommen, sehr selten. In mehreren Studien mit mehr als 11.000 Teilnehmenden zeigten sich keine Risiken.

Menschen mit einer fortgeschrittenen Nierenschwäche sollen nicht mehr als 1 mg pro Tag einnehmen. Manchmal gibt es auch medizinische Gründe, die gegen die Anwendung von Vareniclin sprechen. Dies klärt man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt. Wichtig ist, der Ärztin oder dem Arzt auch mitzuteilen, wenn andere Medikamente eingenommen werden. So lassen sich Wechselwirkungen vermeiden.

Wie wird Bupropion angewendet?

Bupropion wurde ursprünglich gegen Depressionen entwickelt. Der Wirkstoff ist auch zur Raucherentwöhnung zugelassen, da vermutet wird, dass er Entzugserscheinungen lindern kann.

Das Mittel wird unabhängig von den Mahlzeiten 1- oder 2-mal pro Tag als Tablette eingenommen. Eine Tablette enthält 150 mg Bupropion.

Die Behandlung mit Bupropion beginnt bereits vor dem Rauchstopp: Die erste Tablette nimmt man 1 bis 2 Wochen vor dem Tag, an dem man mit dem Rauchen aufhört. Die Behandlung wird dann noch für 7 Wochen fortgeführt.

Was ist über die Vor- und Nachteile von Bupropion bekannt?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat geprüft, wie gut verschiedene Medikamente zur Raucherentwöhnung helfen – und welche Nebenwirkungen sie haben.

Zu Bupropion gibt es über 50 Studien. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG haben jedoch herausgefunden, dass der Hersteller des Medikaments die Ergebnisse von 14 dieser Studien nicht veröffentlicht hat. Auch auf Anfrage hat er sie nicht zur Verfügung gestellt. Man weiß daher nicht, ob die Studien wichtige Informationen enthalten. Wegen dieser fehlenden Studienergebnisse lässt sich für Bupropion nicht bewerten, wie gut es bei der Raucherentwöhnung hilft.

Aus den verfügbaren Studien ist bekannt, dass Bupropion bei etwa 10 von 100 Personen Schlafstörungen auslöst. Andere mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Übelkeit. Außerdem besteht ein geringes Risiko für schwere Nebenwirkungen – insbesondere Krampfanfälle. Solche Probleme traten in Studien bei weniger als 1 von 100 Teilnehmenden auf. Für Menschen mit bestimmten Risikofaktoren wie zum Beispiel einer Epilepsie eignet sich Bupropion daher nicht.

Wie wird Cytisin angewendet?

Cytisin ist ein Wirkstoff, der aus dem Samen einer Giftpflanze stammt, dem Goldregen. Er ähnelt dem Vareniclin und soll ebenfalls Entzugserscheinungen lindern und die Lust aufs Rauchen verringern.

Cytisin wird 25 Tage lang eingenommen. Dabei wird die Dosierung über die Anzahl der Tabletten schrittweise verringert: In den ersten Tagen werden 6 Tabletten im Abstand von 2 Stunden eingenommen, in den letzten Tagen nur noch 1 bis 2 Tabletten. Spätestens am 5. Tag der Anwendung sollte das Rauchen komplett eingestellt werden.

Was ist über die Wirksamkeit von Cytisin bekannt?

Studien liefern Hinweise, dass Cytisin die Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp erhöht. Es gibt aber zu wenig Daten, um sicher zu sein, wie gut es hilft. Außerdem ist unklar, ob es auch bei schwerer Tabakabhängigkeit wirkt. Zu möglichen Nebenwirkungen gibt es weniger Studiendaten als zum Beispiel für Vareniclin.

Gibt es noch andere Mittel zur Raucherentwöhnung?

Man kann den Rauchstopp auch durch eine sogenannte Nikotinersatztherapie erleichtern. Dabei ersetzt man das Nikotin aus dem Tabak durch nikotinhaltige Pflaster, Kaugummis oder andere Präparate, um Entzugserscheinungen zu lindern oder ganz zu vermeiden.

Manche Menschen probieren auch andere Medikamente wie bestimmte Antidepressiva und pflanzliche Mittel aus Johanniskraut zur Tabakentwöhnung aus. Für diesen Zweck sind sie aber nicht gut erforscht. Die bisherigen Studien zeigen nicht, dass sie die Entwöhnung erleichtern.

Quellen

Batra A, Kiefer F, Andreas S et al. S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Registernr.: 076-006. 2021.

Hajizadeh A, Howes S, Theodoulou A et al. Antidepressants for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2023; (5): CD000031.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nutzenbewertung von Bupropion, Cytisin, Nicotin und Vareniclin zur Tabakentwöhnung bei schwerer Tabakabhängigkeit: Abschlussbericht; Auftrag A22-34. 2023.

Livingstone-Banks J, Fanshawe TR, Thomas KH et al. Nicotine receptor partial agonists for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2023; (5): CD006103.

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