InformationenWie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?

Wie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?

Wie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?
Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Bei einer Zöliakie ist die Schleimhaut des Dünndarms chronisch entzündet. Die Erkrankung lässt sich nicht heilen, aber durch eine glutenfreie Ernährung gut behandeln. Wenn sich die Darmschleimhaut erholt, bessern sich meist auch die Beschwerden.

Steht die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) fest, ist das Wichtigste, sich konsequent glutenfrei zu ernähren – und zwar auf Dauer. Dies führt bei den meisten Menschen dazu, dass die Beschwerden nachlassen. Denn wenn kein Gluten in der Nahrung ist, bleibt die Immunreaktion im aus und die Veränderungen der Darmschleimhaut können abheilen.

Was genau passiert bei einer Zöliakie?

Beim Essen wird Nahrung im Mund zerkleinert und gelangt dann über den Magen in den oberen Dünndarm, auch Zwölffingerdarm (Duodenum) genannt. Im Dünndarm wird sie in kleinste Bestandteile zerlegt, darunter auch viele Nährstoffe. Er hat dank seiner fingerartigen Ausstülpungen (Zotten) eine große Oberfläche und kann dadurch Nährstoffe gut aufnehmen. Gelangt der Glutenbestandteil Gliadin in den Dünndarm, wird er dort durch ein körpereigenes Enzym, die Gewebstransglutaminase (tTG oder TG2), verändert.

In der Darmschleimhaut erkennt das Immunsystem, ob aufgenommene Stoffe für den Organismus unschädlich sind oder bekämpft werden müssen. Einige der beteiligten Immunzellen haben sogenannte HLA-Moleküle an ihrer Oberfläche.

In den Genen von Menschen mit Zöliakie finden sich Abschnitte mit den HLA-Typen DQ2, DQ8 oder beiden. Bei ihnen reagiert das Immunsystem auf den Glutenbestandteil Gliadin: Bestimmte Entzündungszellen, sogenannte „T-Lymphozyten“ oder einfach T-Zellen, regen Plasmazellen an, Antikörper gegen das Gliadin zu bilden. Zusätzlich bilden die Plasmazellen auch Antikörper gegen ein körpereigenes Protein, die Transglutaminase (TG2): Diese Autoantikörper können im Blut gemessen werden und sind ein deutliches Zeichen für eine Zöliakie.

Die Autoimmunreaktion kann in verschiedenen Körperregionen Beschwerden verursachen. Sie führt aber immer dazu, dass sich die Darmschleimhaut entzündet. Dauert die Entzündung an, verändert sich das Gewebe der Darmschleimhaut: Die Zotten der Schleimhaut werden flacher, was ihre Oberfläche verkleinert. Dadurch kann der Dünndarm immer weniger Nährstoffe aufnehmen und es kommt zu Mangelerscheinungen.

Was ist über Auslöser der Zöliakie bekannt?

Nur etwa 2 von 100 Menschen mit der genetischen Veranlagung für Zöliakie erkranken auch daran, sodass es zusätzliche Auslöser für die Erkrankung geben muss. Als mögliche Auslöser gelten Darminfektionen, die Einnahme von Antibiotika während der Schwangerschaft oder im frühen Kindesalter sowie Veränderungen des Mikrobioms bei Säuglingen. Doch bislang sind die Studienergebnisse hierzu uneinheitlich. Impfungen stehen nicht im Verdacht, eine Zöliakie auszulösen.

Als weiterer möglicher Zusammenhang wird die Einführung von Gluten in die Babynahrung diskutiert. Ob Menschen im Kindes- oder Erwachsenenalter eine Zöliakie entwickeln, hängt nach aktuellem Kenntnisstand aber nicht damit zusammen, ob sie nach 6 Monaten oder erst nach 12 Monaten glutenhaltige Nahrung bekommen haben.

Wie wird eine Zöliakie behandelt?

Die einzige, dafür sehr wirksame Therapie bei Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung. Sie bewirkt bei Magen-Darm-Symptomen oft schon innerhalb weniger Wochen eine Besserung. Etwa zwei Drittel der Erkrankten sind nach sechs Monaten beschwerdefrei. Eine glutenfreie Ernährung ist bei einer Zöliakie aber auch ohne die typischen Magen-Darm-Symptome notwendig.

Oft werden andere Symptome der Zöliakie nicht in Zusammenhang mit der Erkrankung gebracht – wie etwa Kleinwuchs bei Kindern, Probleme bei der Insulineinstellung bei Typ-1-Diabetes oder unerklärliche Unfruchtbarkeit. Auch sie lassen sich manchmal durch die glutenfreie Ernährung bessern.

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Aktuell gibt es neben der glutenfreien Ernährung bei Zöliakie keine andere Behandlung. Hausmittel wie Kamillentee und Wärmflasche empfinden einige Menschen bei Beschwerden als angenehm, sie beeinflussen die Erkrankung selbst aber nicht.

Es wird an verschiedenen Behandlungsansätzen geforscht. Ein Ansatz ist es, einen in seinen Bestandteilen veränderten und dadurch bekömmlicheren Weizen zu züchten und im Handel anzubieten. Ein anderer Ansatz ist, Medikamente zu entwickeln, die in die Immunreaktion im Dünndarm eingreifen. Die meisten dieser Ansätze sind noch nicht weit fortgeschritten, bis zu anwendbaren Ergebnissen können also noch einige Jahre vergehen.

Verschiedene Präparate mit Enzymen, die Gluten spalten, werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Da die genaue Wirkung solcher Präparate bei Menschen mit Zöliakie nicht untersucht ist, wird von der Einnahme abgeraten.

Quellen

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Felber J, Bläker H, Fischbach W et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). AWMF-Registernr.: 021-021. 2021.

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Lebwohl B, Granath F, Ekbom A et al. Mucosal healing and risk for lymphoproliferative malignancy in celiac disease: a population-based cohort study. Ann Intern Med 2013; 159(3): 169-175.

Pschyrembel Online. Zöliakie. 2022.

Schuppan D, Zimmer KP. The diagnosis and treatment of celiac disease. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(49): 835-846.

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