InformationenWie gut helfen Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis bei der Raucherentwöhnung?

Wie gut helfen Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis bei der Raucherentwöhnung?

Wie gut helfen Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis bei der Raucherentwöhnung?
Aktualisiert am: 18.03.2026· Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Das Nikotin im Tabak kann stark abhängig machen. Deshalb spüren die meisten Raucherinnen und Raucher unangenehme Entzugserscheinungen, wenn sie plötzlich aufhören. Nikotinpräparate wie Kaugummis oder Pflaster können solche Beschwerden lindern und so die Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp erhöhen.

Wer mit dem Rauchen aufhört, hat es in der ersten Woche besonders schwer. Dem Körper fehlt das Nikotin und es können Entzugserscheinungen auftreten: Man wird unruhig, reizbar, fühlt sich niedergeschlagen und hat ein starkes Verlangen zu rauchen. Viele Menschen können sich schlechter konzentrieren und haben mehr Appetit als sonst. Eine Nikotinersatztherapie lindert diese Entzugserscheinungen und kann so die Raucherentwöhnung unterstützen. Nikotinpräparate können rezeptfrei in der Apotheke erworben werden. Damit der Rauchstopp gelingt, ist es außerdem sinnvoll, ihn bereits vorab zu planen und sich Unterstützung zu suchen.

Wie wirkt eine Nikotinersatztherapie?

Bei einer Nikotinersatztherapie wird das Nikotin im Tabak durch Nikotinpräparate wie Kaugummis oder Pflaster ersetzt. Auch wenn der Begriff etwas anderes vermuten lässt, wird das Nikotin nicht durch eine andere Substanz ersetzt. Die Dosierung wird aber schrittweise verringert, um den Körper nach und nach vom Nikotin zu entwöhnen – solange, bis er ohne auskommt.

Zur Nikotinersatztherapie sind in Deutschland nikotinhaltige Kaugummis, Pflaster, Lutschtabletten, Inhalationsgeräte und Sprays zugelassen. Diese Produkte geben das Nikotin langsamer und in geringerer Dosis an den Körper ab als Zigaretten. Zudem vermeidet man gesundheitsschädliche Stoffe aus dem Tabakrauch wie Teer und Kohlenmonoxid. Sie sind für die Lunge und die Gesundheit die größte Belastung.

Wie werden die Präparate eingesetzt?

Je nach Produkt geht man den Rauchstopp unterschiedlich an: Die eine Möglichkeit ist, mit dem Start der Nikotinersatztherapie das Rauchen sofort ganz einzustellen. Die andere Möglichkeit ist, nach und nach die Zahl der Zigaretten zu verringern und sie zum Beispiel schrittweise durch Kaugummis oder Lutschtabletten zu ersetzen.

Für welche Form der Nikotinersatztherapie man sich entscheidet, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Alle Präparate können den Rauchstopp erleichtern. Die genaue Anwendung der Produkte wird in der Packungsbeilage beschrieben. In der Apotheke oder Arztpraxis kann man sie sich auch erklären lassen.

Was kostet eine Nikotinersatztherapie?

Was eine Nikotinersatztherapie kostet, hängt von den jeweiligen Produkten ab und davon, wie lange sie benötigt werden. Meist ist mit insgesamt etwa 150 bis 250 € zu rechnen.

Die Kosten schrecken manche Menschen ab. Allerdings fallen sie nicht auf einmal an: Es gibt die Produkte in kleinen Packungen, die für etwa zwei Wochen reichen. Wer es schafft, rauchfrei zu werden, spart außerdem durch die nicht mehr gekauften Zigaretten auf Dauer viel Geld – deutlich mehr, als eine Therapie kostet.

Wann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Manchmal übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Nikotinersatztherapie. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Zunächst muss die Ärztin oder der Arzt feststellen, dass eine Tabakabhängigkeit besteht. Danach prüft sie oder er, ob es sich um eine schwere Tabakabhängigkeit handelt. Dazu wird der sogenannte Fagerström-Test eingesetzt: Als schwer tabakabhängig gilt, wer in dem Test mindestens 6 Punkte erreicht. Eine schwere Tabakabhängigkeit liegt auch vor, wenn es zum Beispiel trotz einer Lungen- oder Herzkrankheit oder einer Schwangerschaft nicht gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Man meldet sich selbst für ein anerkanntes Entwöhnungsprogramm an. Das kann ein zertifizierter Entwöhnungskurs der gesetzlichen Krankenkassen oder eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sein. Damit die Ärztin oder der Arzt ein Rezept ausstellen kann, muss sie oder er über die Anmeldung informiert werden. Dafür kann man zum Beispiel die Anmeldebestätigung vorlegen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann die Ärztin oder der Arzt Nikotinpflaster, -kaugummis oder andere Präparate auf Kosten der Krankenkassen verschreiben. In der Regel dauert die Behandlung mit solchen Mitteln etwa drei Monate. Manchmal kann eine längere medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Dies prüft die Ärztin oder der Arzt nach der üblicherweise empfohlenen Therapiedauer. Wenn die Raucherentwöhnung nicht erfolgreich war, ist ein weiteres Rezept drei Jahre später möglich.

Nikotinkaugummis

Nikotinkaugummis werden etwa 30 Minuten lang gekaut, um das gesamte Nikotin aus der Kaumasse zu lösen. Es kommt vor allem darauf an, sie langsam und mit Pausen zu kauen. So kann das Nikotin nach und nach aus der Kaumasse freigesetzt und über die Mundschleimhaut vom Körper aufgenommen werden.

Zu Beginn der Behandlung kaut man über den Tag verteilt etwa 8 bis 12 Nikotinkaugummis, bei Bedarf auch mehr. Über mehrere Wochen wird die Dosis allmählich reduziert, bis man mit 1 bis 2 Kaugummis pro Tag auskommt. Nach etwa 3 bis 6 Monaten kann das Kaugummi meist ganz abgesetzt werden.

Nikotinkaugummis gibt es in Dosierungen mit 2 und mit 4 Milligramm (mg) Nikotin. Wer mehr als 20 bis 30 Zigaretten pro Tag geraucht hat, greift am besten zur höheren Dosis, da sie bei starkem Zigarettenkonsum bessere Erfolgschancen bietet. Es gibt die Kaugummis außerdem in unterschiedlichen Geschmacksvarianten wie Pfefferminz oder Frucht.

Nikotinpflaster

Nikotinpflaster geben das Nikotin langsam und kontinuierlich über die Haut in den Körper ab. Sie sind üblicherweise in drei verschiedenen Dosierungen erhältlich. Ein Pflaster wird nach dem Aufstehen auf die Haut geklebt und für 16 bis 24 Stunden dort belassen. Es kann zum Beispiel auf die Innen- oder Außenseite des Oberarms, den Schulterbereich oder die Hüfte aufgebracht werden.

Wichtig: Damit es gut hält, muss das Nikotinpflaster für etwa 10 bis 20 Sekunden auf die saubere, trockene und nicht eingecremte Hautstelle gedrückt werden. Außerdem sollten die Pflaster jeden Tag auf eine andere Hautstelle geklebt werden.

Die Behandlung dauert etwa drei Monate. Währenddessen wird die Dosierung schrittweise verringert, indem auf Pflaster mit niedrigerem Nikotingehalt umgestiegen wird. Die genaue Dosierung und Behandlungsdauer richten sich danach, wie viel man zuvor geraucht hat.

Lutschtabletten

Lutschtabletten setzen das Nikotin beim Lutschen frei und geben es über die Mundschleimhaut an den Körper ab. Je nach Produkt wird empfohlen, in den ersten 6 bis 12 Wochen nach dem Rauchstopp etwa alle 1 bis 2 Stunden eine Tablette zu lutschen. Das sind üblicherweise 8 bis 12 Stück pro Tag. Danach wird die Zahl der Lutschtabletten nach und nach reduziert, bis man ohne auskommt.

Lutschtabletten sind in Dosierungen von 1, 2 und 4 mg Nikotin erhältlich. Die Anfangsdosierung richtet sich auch hier danach, wie viel man zuvor geraucht hat.

Inhalatoren und Sprays

Mit einem Nikotininhalator (Inhaler) zieht man das Nikotin durch den Mund ein, ähnlich wie bei einer Zigarette. Auf das Mundstück des Inhalators werden austauschbare Patronen oder Kapseln gesteckt. Eine Patrone enthält 15 mg Nikotin und reicht für mehrere Anwendungen. Pro Tag werden 3 bis 6 Patronen verwendet – je nachdem, wie stark man vorher geraucht hat. Um ausreichend Nikotin aus einer Patrone aufzunehmen, muss deutlich häufiger daran gezogen werden als an einer Zigarette – und das über einen Zeitraum von etwa 10 bis 20 Minuten. Auch hier reduziert man die Zahl der Anwendungen schrittweise, bis es ohne geht.

Nikotinspray wird etwa 1- bis 2-mal pro Stunde wie ein Mundspray in den Mund gesprüht – also in ähnlichen Abständen wie beim Rauchen. Nach sechs Wochen wird die Zahl der Sprühstöße nach und nach verringert, bis man ohne Nikotin auskommt. Dies sollte ebenfalls in etwa 3 bis 6 Monaten gelingen.

Wie gut hilft eine Nikotinersatztherapie?

Die Wirksamkeit von Nikotinkaugummis und anderen Präparaten wurde in vielen wissenschaftlichen Studien untersucht. Daran nahmen Menschen teil, die zuvor mindestens 15, meist aber mehr als 20 Zigaretten am Tag geraucht hatten. Fast allen wurde neben der Nikotinersatztherapie weitere Hilfe wie zum Beispiel eine Beratung angeboten. Nach 6 bis 12 Monaten wurde überprüft, ob die Teilnehmenden noch oder wieder rauchten.

Eine Wissenschaftlergruppe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat über 40 dieser Studien mit über 25.000 Teilnehmenden ausgewertet. Sie zeigen, dass die Nikotinersatztherapie den Rauchstopp erleichtern kann:

  • Ohne Nikotinersatztherapie schafften es 10 von 100 Personen, innerhalb von 6 Monaten mit dem Rauchen aufhören.
  • Mit Nikotinersatztherapie gelang es 17 von 100 Personen, innerhalb von 6 Monaten mit dem Rauchen aufzuhören.
Die Mengengrafik zeigt, wie gut eine Nikotinersatztherapie bei der Raucherentwöhnung hilft.
Die Mengengrafik zeigt, wie gut eine Nikotinersatztherapie bei der Raucherentwöhnung hilft.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte. Die Chancen auf eine erfolgreiche Entwöhnung sind am höchsten, wenn die Nikotinersatztherapie mit anderen Unterstützungsangeboten kombiniert wird. Das kann zum Beispiel ein Entwöhnungskurs sein.

Studien zeigen auch, dass eine Kombination von zwei Nikotinpräparaten etwas besser wirkt als ein einzelnes Präparat. Man kann zum Beispiel Nikotinpflaster und Lutschtabletten kombinieren.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Nikotinersatztherapie auftreten?

Nikotinersatztherapien können vorübergehende Nebenwirkungen haben – welche, hängt von der Art der Anwendung ab. Werden die Nebenwirkungen zu unangenehm, kann es sich lohnen, ein anderes Präparat auszuprobieren.

Bei allen Formen der Nikotinersatztherapie kann es zu Übelkeit kommen. Das betraf in Studien 4 von 100 Personen. Eine mögliche Nebenwirkung von Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalatoren und Sprays sind zudem Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Das betrifft schätzungsweise 3 von 100 Personen.

Nikotinpflaster können die Haut reizen: In Studien lösten sie bei bis zu 2 von 100 Personen Juckreiz aus. Andere Nebenwirkungen sind bei Pflastern dafür seltener.

Alles in allem sind Nikotinersatztherapien gut verträglich: Weniger als 1 von 100 Personen hat in Studien die Behandlung wegen Nebenwirkungen beendet. Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen zeigten sich in Studien mit über 20.000 Teilnehmenden nicht.

Kommt eine Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft infrage?

Während der Schwangerschaft können Entwöhnungsprogramme helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Studien zeigen, dass Schwangeren der Rauchstopp leichter fällt, wenn sie gut beraten werden.

Nikotinersatztherapien sind die einzigen medikamentösen Mittel zur Raucherentwöhnung, die auch für Schwangere zugelassen sind. Studien deuten darauf hin, dass sie auch in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Rauchstopp erhöhen.

Ob eine Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft im eigenen Fall sinnvoll ist, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Quellen

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