Ernährung und Bewegung bei einer chronischen Nierenkrankheit

Einleitung
Je nach Stadium einer chronischen Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz) gelten besondere Regeln beim Essen und Trinken. Zum Beispiel kann es nötig sein, die Trinkmenge anzupassen und im Blick zu haben, wie viel Eiweiß und Kochsalz man zu sich nimmt. Wer konsequent darauf achtet und sich ausreichend bewegt, kann das Wohlbefinden verbessern und gesundheitlichen Problemen vorbeugen.
Eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und der Verzicht aufs Rauchen fördern die Gesundheit und beugen Übergewicht, Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Das nützt auch Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung. Sie müssen ihre Ernährung jedoch an die Erkrankung anpassen – vor allem, wenn diese schon fortgeschritten ist.
Sich an eine „Nierendiät“ zu halten, fällt oft schwer. Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater können helfen, die Vorgaben besser zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Viele Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit gewöhnen sich mit der Zeit an die Regeln und nutzen sie als Möglichkeit, selbst etwas für ihr Wohlbefinden zu tun.
Welche Ernährungsregeln gelten bei einer Nierenkrankheit?
Die Nieren sind an vielen Vorgängen im Körper beteiligt. Arbeiten sie nicht mehr so gut, geraten zum Beispiel der Energie- und der Eiweißstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Auch der Salz- und der Wasserhaushalt des Körpers werden gestört. Bei einer fortgeschrittenen Nierenkrankheit kommt es dadurch zu ernsten Folgen wie Gewichtsverlust, Übersäuerung und Wasseransammlungen in den Organen und im Gewebe. Spätestens dann gelten eine Reihe von Ernährungsregeln.
Trinkmenge anpassen
Die meisten Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung können zunächst so viel trinken, wie sie möchten. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung scheiden viele Menschen aber weniger Wasser aus. Wenn man dann zu viel trinkt, kommt es zu einer Überwässerung mit der Folge, dass sich Ödeme bilden und der Blutdruck steigt. Um wieder mehr Wasser auszuscheiden, kann man harntreibende Mittel (Diuretika) nehmen. Über das Körpergewicht lässt sich dann kontrollieren, ob ausreichend Wasser ausgeschieden wird.
Wird letztlich eine Dialyse nötig, muss man sich an eine eingeschränkte Trinkmenge halten, denn die Dialyse kann dem Körper nur begrenzt Wasser entziehen.
Idealerweise sollte man nur noch so wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, wie die Nieren als Urin ausscheiden – plus 0,5 Liter am Tag bei einer Hämodialyse oder 0,8 Liter am Tag bei einer Peritonealdialyse. Dabei werden nicht nur Getränke, sondern auch flüssige Speisen wie Suppen, Joghurt oder Kompott mit eingerechnet. Vordrucke zum Ausfüllen helfen, um einen Überblick zu behalten, wie viel Flüssigkeit man schon zu sich genommen hat.
Um nicht zu viel zu trinken, kann es helfen, kleinere Gläser und Tassen zu verwenden und Medikamente möglichst mit einer Mahlzeit anstatt mit einem extra Glas Wasser einzunehmen. Durst kann man zum Beispiel mit einem sauren Bonbon, Zitronenstückchen oder zuckerfreiem Kaugummi lindern. Außerdem ist es hilfreich, langsam zu trinken und trockene Raumluft zu vermeiden.
Auf das Gewicht achten
Wer chronisch nierenkrank und gleichzeitig übergewichtig ist, kann mit einer Gewichtsabnahme das Risiko für Komplikationen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.
Bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenkrankheit ist Übergewicht aber selten – dann besteht eher die Gefahr, zu stark abzunehmen. Um Untergewicht zu vermeiden, ist es wichtig, genügend und vor allem ausgewogen zu essen. Dialysepatientinnen und -patienten werden täglich zwischen 30 und 40 Kilokalorien pro Kilogramm Normalgewicht empfohlen. Mit Normalgewicht ist nicht das aktuelle Körpergewicht gemeint, sondern das Gewicht, das laut Body-Mass-Index (BMI) für eine bestimmte Körpergröße als normal gilt. Für einen 180 cm großen Mann liegt es zum Beispiel bei etwa 70 kg. Daraus ergibt sich ein Kalorienbedarf zwischen 2100 bis 2800 Kilokalorien pro Tag.
Eiweiß: nicht zu viel und nicht zu wenig
Menschen, die noch keine Dialyse benötigen, sollten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Eiweiß zu sich nehmen. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass eine Diät mit wenig Eiweiß bei manchen Menschen das Fortschreiten einer chronischen Nierenkrankheit verzögern kann. Zu wenig Eiweiß in der Nahrung kann wiederum ungünstig sein, weil der Körper dann Muskeleiweiß abbaut. Fachleute empfehlen Menschen mit einer Nierenkrankheit deshalb keine streng eiweißarme (proteinarme) Diät.
Laut gängigen Empfehlungen sollte die tägliche Nahrung 0,8 g Eiweiß pro kg Normalgewicht enthalten. Wer 75 kg wiegt, nimmt also pro Tag am besten um die 60 g Eiweiß zu sich. Dabei sollte man darauf achten, seinen Bedarf möglichst über pflanzliche Kost zu decken. 100 g gekochte Hülsenfrüchte enthalten zwischen 7 und 10 g Eiweiß – ähnlich wie Nüsse. Vollkornprodukte enthalten zwischen 3 und 6 g, stärkehaltige Gemüse wie Kartoffeln oder Möhren 2 bis 4 g pro 100 g. In Fleisch, Eiern und Käse sind pro 100 g etwa 20 bis 30 g Eiweiß, 100 ml Milch oder Joghurt liefern zwischen 3 und 4 g.
Wer wegen Nierenversagens eine Dialyse benötigt, hat einen erhöhten Eiweißbedarf. Bei einer Hämodialyse werden pro kg Körpergewicht täglich mindestens 1,1 g Eiweiß empfohlen, bei einer Peritonealdialyse bis zu 1,5 g. Denn bei der Peritonealdialyse geht eine gewisse Menge Eiweiß über das Bauchfell in die Dialyseflüssigkeit verloren.
Möglichst wenig Kochsalz
Erhöhter Blutdruck und zu viel Eiweiß im Urin können eine chronische Nierenkrankheit beschleunigen. Studien haben gezeigt, dass eine kochsalzarme Kost den Blutdruck und die Eiweißausscheidung senken kann. Fachleute gehen aufgrund erster Studienergebnisse davon aus, dass es dadurch auch seltener oder erst später zu Komplikationen wie einem Nierenversagen oder Herzinfarkt kommt. Allerdings muss das noch durch Langzeitstudien bestätigt werden.
Salz bindet zudem Wasser im Körper und steigert den Durst. Wer nicht viel trinken darf, sollte deshalb besonders sparsam mit Salz sein.
Empfohlen werden nicht mehr als 5 g Kochsalz pro Tag. Zur Einordnung: Eine Scheibe Brot enthält etwa 0,5 g, ein Wiener Würstchen knapp 2 g und ein Stück Pizza über 4 g Kochsalz. Der Verzicht auf salzige Nahrungsmittel fällt vor allem anfangs oft schwer. Nach 2 bis 3 Wochen gewöhnt sich der Geschmackssinn aber an weniger Salz. Zudem lassen sich Speisen auch mit Kräutern, Zwiebeln, Zitrone, Essig oder anderen Gewürzen schmackhaft zubereiten.
Gut zu wissen:
Auf eine salzärmere Ernährung umzustellen, kann schwerfallen. Diese Tipps helfen dabei.
Muss die Nierenfunktion durch eine Dialyse ersetzt werden, können neben Kochsalz (Natriumchlorid) auch andere Mineralien Probleme bereiten: Der Körper kann dann auch die Menge an Kalium und vor allem an Phosphat schlechter regulieren. Dialysepatientinnen und -patienten sollten deshalb auf Lebensmittel verzichten, die viele dieser Mineralien enthalten. Dazu gehören unter anderem Bananen, Trockenobst, Chips, Schokolade, Pommes frites und Schmelzkäse. Vorsicht ist bei sogenanntem Diätsalz geboten: Es enthält zwar wenig Natrium, aber erhebliche Mengen Kalium.
Was bringen Nahrungsergänzungsmittel?
Ob frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel – etwa Vitamine oder Mineralstoffe – bei einer chronischen Nierenkrankheit helfen können, ist mehr als fraglich. Studien zufolge können Antioxidantien wie etwa Vitamin-E-Präparate weder das Leben von Menschen mit chronischer Nierenkrankheit verlängern noch Komplikationen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern. Bislang gibt es auch keine Belege, dass die Mittel das Foranschreiten der Erkrankung verlangsamen oder bestimmten Menschen (etwa Dialysepatientinnen und -patienten) nützen. Das gilt auch für Fischöl- und Omega-3-Fettsäure-Präparate. Proteinhaltige Nahrungsergänzungsmittel können zwar die Eiweißzusammensetzung im Blut positiv beeinflussen. Sie haben aber eher keinen Einfluss auf das Gewicht. Ob sie das Leben verlängern können, ist unklar.
Was lässt sich durch Bewegung und Sport erreichen?
Möglichst in Bewegung zu bleiben, tut auch bei chronischer Nierenkrankheit gut: Regelmäßiger Sport kann zum Beispiel helfen, den Blutdruck zu senken, Ausdauer und Muskulatur zu erhalten und sich allgemein besser zu fühlen. Nicht belegt ist bislang, dass Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit länger leben, wenn sie Sport treiben.
Fachleute empfehlen – vor allem bei zusätzlichem Bluthochdruck – 5-mal in der Woche 30 Minuten leichten Sport. Wer das nicht schafft, achtet am besten im Alltag darauf, sich so viel wie möglich zu bewegen, zum Beispiel statt des Aufzugs die Treppe zu nehmen oder öfter zu Fuß zu gehen. Es hilft, körperliche Aktivitäten fest im Alltag einzuplanen. Sogar während einer Dialysesitzung kann man sich sportlich betätigen und zum Beispiel in die Pedale eines Bettfahrrads (Pedaltrainers) treten.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
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