Wie werden Sehnenreizungen behandelt?

Einleitung
Bei einer gereizten Sehne können gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen helfen, die Beschwerden zu lindern. Dafür braucht es aber Geduld. Behandlungen wie Kortisonspritzen wirken nur vorübergehend.
Eine Sehnenreizung entsteht, wenn Sehnen zu stark beansprucht werden. Sie macht sich durch Schmerzen bemerkbar – vor allem, wenn die Sehne belastet wird. Um solche akuten Beschwerden zu lindern, greifen manche Menschen zu Schmerzmitteln. Diese sollten jedoch nur für wenige Tage oder gelegentlich eingenommen werden.
Auch wenn es nahe liegt, den betroffenen Arm oder das Bein zu schonen: Sie sollten nicht länger ruhiggestellt werden. Stattdessen wird empfohlen, in Bewegung zu bleiben und mehrmals pro Woche gezielte Übungen zu machen. Belastende Tätigkeiten, die den Schmerz auf Dauer verstärken, sollten aber vermieden werden. Wichtig ist, Geduld zu haben: Bis sich die Beschwerden bessern, kann es einige Wochen bis Monate dauern.
Welche Behandlung bei einer Sehnenreizung geeignet ist, lässt sich am besten mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Ärztlich verordnete Maßnahmen wie eine Physiotherapie werden zum Großteil von den Krankenkassen bezahlt. Die meisten der genannten Möglichkeiten sind risikoarm. Bei Spritzen oder Operationen besteht allerdings ein höheres Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen. Sie kommen deshalb erst infrage, wenn sich eine Sehnenreizung langfristig nicht bessert.
Belastungen anpassen
Wenn eine gereizte Sehne überstrapaziert wird, kann sich das Gewebe nicht ausreichend erholen. Zu starke Belastungen können es weiter schädigen und die Sehne anfälliger für Verletzungen machen – bis hin zum Riss (Ruptur).
Deshalb ist es bei einer Sehnenreizung wichtig, zu schauen, welche Bewegungen möglich sind und welche die Probleme verstärken. Sich völlig zu schonen oder Gelenke ruhigzustellen, ist nicht sinnvoll. Fachleute empfehlen sogar, weiter in Bewegung zu bleiben, auch wenn es gelegentlich schmerzt.
Dazu ist es wichtig, zu wissen, wodurch genau die gereizte Sehne überlastet wird. Sehnen am Knie werden zum Beispiel bei Sportarten wie Volley- oder Basketball stark beansprucht, bei denen viel gesprungen wird – die Achillessehne vor allem bei Bewegungen, bei denen der Wadenmuskel arbeitet. Sehnen in Schulter und Arm werden durch Sportarten wie Tennis stark belastet.
Fachleute raten, stärkere Belastungen zunächst zu vermeiden. Manchmal wird für einige Wochen ein Tape-Verband oder eine orthopädische Schiene (Orthese) angelegt, um die Sehne zu entlasten.
Bewegungsübungen helfen
Bei Sehnenreizungen werden frühzeitig gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen empfohlen. Man kann sie selbstständig oder im Rahmen einer Krankengymnastik machen. Diese sogenannten exzentrischen Übungen sollen unter anderem die Sehne und die Muskulatur stärken und so dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern.
Die Übungen können etwas wehtun – die Schmerzen sollten aber nach dem Training nicht deutlich stärker sein als vorher. Deshalb kann es helfen, sich die Übungen von einer physiotherapeutischen Fachkraft gut erklären zu lassen. Sie kann außerdem falsche Bewegungen sofort korrigieren. Nachdem man das Programm erlernt hat, kann man die Übungen auch zu Hause oder bei der Arbeit machen.
Je nachdem, welche Sehne gereizt ist, bieten sich verschiedene Übungen an:
Bei einer gereizten Achillessehne zum Beispiel stellt man sich auf die unterste Stufe einer Treppe (dabei den Blick auf die Treppe richten). Dann schiebt man die Fersen etwas nach hinten, bis sie über den Stufenabsatz ragen, und stellt sich auf die Zehenspitzen. Anschließend lässt man die Fersen langsam nach unten sinken. Im Anschluss spannt man die Waden etwas an, bringt die Füße wieder in die Ausgangsposition und entlastet den betroffenen Fuß kurz. Dann wird das Ganze wiederholt.
Wie oft die Übung wiederholt werden sollte, wird in der Physiotherapie erklärt. Häufig wird empfohlen, sie 15-mal hintereinander zu machen und dies 3-mal zu wiederholen. Zwischen den Wiederholungssätzen sollte man eine kurze Pause von etwa 1,5 Minuten einlegen. Die Übung kann man täglich oder alle zwei Tage machen. Studien deuten darauf hin, dass es bei Sehnenreizungen grundsätzlich effektiver ist, nur alle zwei Tage, dafür aber intensiver zu trainieren, als täglich und weniger intensiv zu trainieren.
Bei Problemen mit der Kniescheibensehne eignen sich ganz ähnliche Übungen. Oft sind es abgewandelte Kniebeugen. Übungen für gereizte Sehnen am Ellenbogen sollen die Muskulatur am Unterarm dehnen und kräftigen.
Gut zu wissen:
Eine Anleitung für solche Übungen liefert der Text „Tennisarm: Kraft- und Dehnübungen“.
Kurzfristige Anwendung von Schmerzmitteln
Schmerzmittel wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern. Zu den NSAR gehören zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac, die als Tabletten eingenommen werden können. Die Mittel sind meist gut verträglich, können jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Magenschmerzen haben. Ohne ärztliche Verschreibung sollten die Medikamente nur für wenige Tage eingenommen werden.
Die Wirkstoffe sind auch als Salben oder Gels erhältlich. Sie werden auf die betroffene Stelle aufgetragen, um die Schmerzen zu lindern.
Physikalische Therapien
Unter dem Begriff „physikalische Therapie“ werden verschiedene Behandlungsverfahren zusammengefasst, die physikalische Reize wie Wärme oder Kälte, Strom, Druck oder Schall verwenden. Diese Verfahren helfen, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt und können Bewegungs- und Kräftigungsübungen nicht ersetzen. Ihre Kosten werden auch nicht immer von den Krankenkassen übernommen.
- Wärme oder Kälte: Bei akuten Beschwerden kann man die Stelle für kurze Zeit kühlen, zum Beispiel mit einer Kühlkompresse. Für chronische Beschwerden gibt es Wärmeanwendungen. Es ist aber unklar, was sie bringen.
- elektrischer Strom: Bei der sogenannten Iontophorese werden Elektroden aufgeklebt und in einem Wasserbad ein Stromfluss durch die Haut erzeugt. Der Strom ist harmlos und löst höchstens ein leichtes Kribbeln aus. Zuvor wird zwischen Haut und Elektrode ein Schmerzmedikament aufgetragen, oft als Salbe. Der Strom soll dafür sorgen, dass der Wirkstoff besser vom Körper aufgenommen wird. Es gibt auch andere Formen der Elektrotherapie – zum Beispiel Reizstrom oder TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation).
- Stoßwellentherapie: Dabei werden Schallwellen in den Körper geleitet. Diese sollen Verkalkungen lösen und Entzündungen lindern. Man nennt das Verfahren „extrakorporale Stoßwellentherapie“ (ESWT). In bisherigen Studien war sie allein nicht sehr wirksam – und zusätzlich zur Bewegungstherapie hatte sie keinen Nutzen. Die ESWT kann in einem einzelnen oder in wiederholten Terminen erfolgen und gilt als risikoarm. Die Stoßwellen können jedoch schmerzhaft sein.
- Massage: Bei Sehnenproblemen wird besonders die sogenannte Friktionsmassage angewendet. Dabei drückt die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut mit den Fingerspitzen fest in das Gewebe, um Verklebungen zu lösen. Das kann für den Moment unangenehm bis schmerzhaft sein.
Mögliche Therapien bei anhaltenden Schmerzen
Bei einer Sehnenreizung ist Geduld gefragt, denn sie heilt nicht innerhalb weniger Tage aus. Manchmal halten die Beschwerden aber trotz Behandlung länger als 3 bis 6 Monate an oder kehren häufig wieder. Dann können Spritzen oder eine Operation erwogen werden.
- Behandlung mit Spritzen: Dabei werden Medikamente in den betroffenen Bereich um die Sehne herum gespritzt. Eine Möglichkeit ist Kortison, das zumindest kurzfristig die Schmerzen etwas bessern kann. Es gibt auch Betäubungsmittel (Lokalanästhetika), Hyaluronsäure oder Glukose. Spritzen mit Kombinationen aus Wirkstoffen sind ebenfalls möglich. Manche Menschen lassen sich auch Eigenblut oder sogenanntes thrombozytenreiches Blutplasma in den schmerzenden Bereich spritzen. Dies ist wahrscheinlich unwirksam. Die Behandlung mit Spritzen kann Nebenwirkungen wie Schmerzen, Schwellungen und Gewebsschädigungen haben. Die Einstichstelle kann sich entzünden. Beim Einstechen kann ein Blutgefäß oder ein Nerv verletzt werden. Möglich sind auch allergische Reaktionen gegen das gespritzte Mittel.
- Operation: Selten wird eine gereizte Sehne operiert – das heißt, geschädigtes Gewebe und Verkalkungen chirurgisch entfernt und Verklebungen gelöst. Manchmal werden auch andere Eingriffe vorgenommen. Dann wird zum Beispiel der Muskel, mit dem die Sehne verbunden ist, verlängert oder Sehnengewebe aus einer anderen Region an die gereizte Stelle eingenäht. Allein für die Achillessehne gibt es viele verschiedene OP-Techniken, die von offenen Operationen bis hin zu Eingriffen durch kleine Hautschnitte mit einem Endoskop reichen. Solche minimalinvasiven Eingriffe gelten als schonender und führen seltener zu Komplikationen wie Infektionen, Blutungen und Verletzungen von Muskeln, Nerven oder Blutgefäßen.
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
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