Endometriose operativ behandeln

Einleitung
Viele Frauen glauben, Schmerzen bei der Regelblutung seien normal – und versuchen, selbst mit stärksten Schmerzen irgendwie zurechtzukommen. Hinter solchen Symptomen kann allerdings eine Endometriose stecken. Diese chronische Krankheit ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Dabei siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an anderen Stellen im Bauchraum oder in der Gebärmutterwand an.
Diese sogenannten Endometriose-Herde spüren viele Frauen gar nicht. Bei anderen verursachen sie jedoch starke Schmerzen oder mindern die Fruchtbarkeit. Das kann sehr belastend sein – besonders, wenn die Beschwerden zum Beispiel in der Familie oder am Arbeitsplatz nicht ernstgenommen werden. Oft dauert es Jahre, bis eine Endometriose als Ursache der Symptome festgestellt wird.
Bislang lässt sich die Erkrankung nicht heilen – aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu behandeln. Ist die Therapie auf die persönlichen Lebensumstände abgestimmt, können viele Frauen recht gut mit Endometriose leben. Gute Informationen und die Zusammenarbeit mit erfahrenen, unterstützenden Ärztinnen und Ärzten können helfen, mit den Beschwerden umzugehen. Wichtig ist dafür auch, den eigenen Körper und seine Reaktionen gut zu kennen.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Eine Endometriose lässt sich häufig mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) behandeln. Dabei werden über kleine Schnitte dünne Rohre mit einer Kamera und den Operationsinstrumenten in den Bauchraum eingeführt (minimalinvasiver Eingriff). Selten wird mit einem herkömmlichen Bauchschnitt (Laparotomie) operiert. Eine Bauchspiegelung ist schonender.
Bei beiden Methoden werden die Endometriose-Herde unter Vollnarkose entfernt. Man unterscheidet zwei Verfahren:
- Bei einer Ablation wird das Gewebe mit einem Laser oder einer elektrisch aufgeheizten Sonde (elektrische Diathermie) abgetragen.
- Bei der Exzision wird das Gewebe herausgeschnitten.
Beide Verfahren gelten als ähnlich effektiv. In Studien schnitt die Exzision aber etwas besser ab.
Was ist nach einem Eingriff zu beachten?
Der Eingriff kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Ob und wie lange eine Frau danach im Krankenhaus bleibt, hängt unter anderem davon ab, wie umfangreich der Eingriff war und ob chronische Schmerzen bestehen. Es wird meist empfohlen, sich körperlich etwa 2 bis 3 Wochen lang zu schonen und in dieser Zeit auf schweres Heben und Kraftsport zu verzichten. Wann man wieder arbeiten kann, ist unterschiedlich – das hängt davon ab, wie groß der Eingriff war und welcher Arbeit man nachgeht. Körperlich wenig belastende Tätigkeiten sind meist kurz nach Verlassen des Krankenhauses wieder möglich.
Wenn nach der OP Beschwerden wie Fieber, starke Bauchschmerzen oder Blutungen auftreten, ist es wichtig, schnell eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.
Was kann es bewirken, Endometriose-Herde zu entfernen?
Nur wenige aussagekräftige Studien haben untersucht, wie gut eine OP bei einer Endometriose hilft. Diese sprechen dafür, dass sie bei manchen Frauen die Beschwerden lindern kann. Nach 6 Monaten zeigte sich:
- Ohne Endometriose-OP verringerten sich bei etwa 27 von 100 Frauen die Schmerzen.
- Mit Endometriose-OP verringerten sich bei etwa 72 von 100 Frauen die Schmerzen.
Untersucht wurde dabei vor allem die Entfernung von Endometriose-Herden bei leichter bis mittelschwerer Endometriose. Zu schweren Formen fehlen verlässliche Studien.
Bei etwa 1 von 100 Frauen kommt es durch den Eingriff zu Organverletzungen oder anderen Komplikationen wie Infektionen und schweren Blutungen. Außerdem können die Beschwerden nach der OP bestehen bleiben oder nach einiger Zeit wieder auftreten. Denn Endometriose-Herde können sich neu bilden.
Ob eine OP helfen kann, hängt auch davon ab, wo sich die Endometriose-Herde befinden. Bei einer sehr ausgeprägten Endometriose ist der Eingriff zudem komplizierter und risikoreicher. Dies betrifft besonders Herde, die sich tief im Becken, um die Blase herum und am Darm befinden. Dann ist das Risiko höher, dass es zu Darm- oder Blasenverletzungen kommt.
Von wiederholten operativen Eingriffen wird in der Regel abgeraten. Gerade chronische Schmerzen können sich dadurch eher verschlechtern.
Hilft es, vor und nach einer OP Medikamente einzunehmen?
Viele Frauen verwenden vor und / oder nach einer Bauchspiegelung bestimmte Hormonpräparate. Infrage kommen Gestagene, die Antibabypille, die Hormonspirale und GnRH-Analoga.
Diese sollen die Endometriose-Herde verkleinern, nicht entferntes Restgewebe ruhigstellen und Neubildungen vorbeugen. Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Hormonpräparaten nach einer OP das Risiko senkt, dass sich neue Endometriose-Herde bilden. Es gibt aber keinen Beleg dafür, dass die Anwendung vor einer OP einen Nutzen hat. Wer Hormonpräparate einnimmt, muss sie vorher jedoch nicht absetzen.
Kann eine Operation die Chance erhöhen, schwanger zu werden?
Endometriose kann die Fruchtbarkeit einschränken. Endometriose-Herde durch eine Bauchspiegelung zu entfernen, kann die Chance auf ein eigenes Kind jedoch erhöhen. In Studien wurden Frauen häufiger schwanger, nachdem sie sich operieren ließen. Nach einem Jahr waren etwa 20 von 100 Frauen schwanger, die sich nicht operieren ließen – dagegen etwa 30 von 100 Frauen nach einer OP.
Untersucht wurde vor allem die operative Entfernung von Endometriose-Herden bei leichter bis mittelschwerer Endometriose. Wie sich die OP bei schwereren Endometriose-Formen auswirkt, ist unklar.
Bei eingeschränkter Fruchtbarkeit gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Hormonbehandlungen und eine künstliche Befruchtung. Dafür kann man sich an ein Kinderwunschzentrum wenden.
Wann kommt eine Entfernung der Gebärmutter infrage?
Eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) ist bei einer Endometriose eher die Ausnahme. Frauen erwägen sie meist nur, wenn die Endometriose ihr Leben sehr stark einschränkt, andere Behandlungen nicht erfolgreich waren und sie sicher sind, dass sie kein Kind mehr bekommen möchten. Sinnvoll ist eine Operation zudem nur, wenn die Untersuchungsergebnisse tatsächlich eine Besserung der Beschwerden erwarten lassen. Das gilt in erster Linie, wenn die Herde in der Gebärmutterwand liegen. Bei dem Eingriff können auch an die Gebärmutter angrenzende Herde entfernt werden.
Die Gebärmutter kann teilweise und vollständig entfernt werden. Bei der Teilentfernung wird der Gebärmutterkörper entfernt. Gebärmutterhals, Eileiter und Eierstöcke bleiben erhalten. Bei der vollständigen Entfernung wird die Gebärmutter einschließlich des Gebärmutterhalses entfernt. Je nach Situation können zusätzlich auch die Eileiter und Eierstöcke entfernt werden.
Was sind mögliche Folgen einer Gebärmutterentfernung?
Nur die Gebärmutter zu entfernen, garantiert nicht, dass die Endometriose danach geheilt ist. Wenn die Eierstöcke erhalten bleiben, ist es wahrscheinlicher, dass die Beschwerden bestehen bleiben.
Werden zusätzlich die Eierstöcke entfernt, entzieht das auch den übrigen Endometriose-Herden die Hormone, die sie zum Wachstum benötigen. Wird nur ein Eierstock entfernt, hat dies keine Folgen. Wenn aber beide Eierstöcke fehlen, werden keine weiblichen Geschlechtshormone mehr produziert und die Wechseljahre setzen abrupt ein. Das kann zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockener Scheide und Stimmungsschwankungen führen. Deshalb sollte die Entscheidung für oder gegen eine Entfernung der Eierstöcke gut überlegt sein.
Manche Frauen haben nach dieser Operation durch den Wegfall der Hormone so starke Beschwerden, dass sie eine Hormonbehandlung mit Östrogen wünschen (Hormontherapie). Dann können die Hormonpräparate erneut Endometriose-Beschwerden auslösen.
Bei einer Gebärmutterentfernung kommt es bei etwa 5 von 100 Frauen zu Komplikationen – zum Beispiel zu Verletzungen von Organen, Blutungen oder Infektionen. Zudem können wie bei allen Eingriffen im Bauchraum Verwachsungen eine Folge sein, die Schmerzen oder Darmbeschwerden auslösen.
Quellen
Bafort C, Beebeejaun Y, Tomassetti C et al. Laparoscopic surgery for endometriosis. Cochrane Database Syst Rev 2020; (10): CD011031.
Becker CM, Bokor A, Heikinheimo O et al. ESHRE guideline: endometriosis. Hum Reprod Open 2022; 2022(2): hoac009.
Chen I, Veth VB, Choudhry AJ et al. Pre- and postsurgical medical therapy for endometriosis surgery. Cochrane Database Syst Rev 2020; (11): CD003678.
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Diagnostik und Therapie der Endometriose (S2k-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 015-045. 2020.
Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Chronischer Unterbauchschmerz der Frau (S2k-Leitlinie): AWMF-Registernr.: 016 - 001. 2022.
Gibbons T, Georgiou EX, Cheong YC, Wise MR. Levonorgestrel-releasing intrauterine device (LNG-IUD) for symptomatic endometriosis following surgery. Cochrane Database Syst Rev 2021; (12): CD005072.
Leonardi M, Gibbons T, Armour M et al. When to Do Surgery and When Not to Do Surgery for Endometriosis: A Systematic Review and Meta-analysis. J Minim Invasive Gynecol 2020; 27(2): 390-407.
Pundir J, Omanwa K, Kovoor E et al. Laparoscopic Excision Versus Ablation for Endometriosis-associated Pain: An Updated Systematic Review and Meta-analysis. J Minim Invasive Gynecol 2017; 24(5): 747-756.