InformationenWas kann bei unklaren körperlichen Beschwerden helfen?

Was kann bei unklaren körperlichen Beschwerden helfen?

Was kann bei unklaren körperlichen Beschwerden helfen?
Aktualisiert am: 01.04.2026· Nächstes Update: 2029
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Auch wenn sich keine eindeutige Ursache für anhaltende Beschwerden findet: Es gibt Möglichkeiten, besser mit ihnen zurechtzukommen. Oft ist es hilfreich, sich regelmäßig zu bewegen und den Umgang mit Belastungen zu überdenken. In erster Linie auf Medikamente oder andere medizinische Behandlungen zu setzen, ist dagegen nicht sinnvoll.

Von funktionellen Körperbeschwerden spricht man, wenn keine eindeutige Erklärung für körperliche Beschwerden gefunden werden kann. Meist sind sie nur leicht und lassen nach kurzer Zeit von selbst nach. Manchmal halten sie aber auch länger an und sind sehr belastend.

Dann ist es zunächst wichtig, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt über mögliche Auslöser zu sprechen und zu überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sein können. Bei leichten Beschwerden reichen oft wenige kleine Änderungen im Alltag und etwas Geduld aus.

Bei anhaltenden und belastenden Problemen können weitergehende Hilfen sinnvoll sein. Dann ist es wichtig, passende und im Alltag umsetzbare Mittel und Wege zu finden, um mit den Beschwerden besser zurechtzukommen. Fachleute in Haus- und Facharztpraxen, aber auch in oder psychotherapeutischen Praxen können begleiten und unterstützen. Bei dauerhaften und sehr belastenden Beschwerden ist auch ein Aufenthalt in einer Klinik möglich.

Was kann zu den Beschwerden beitragen?

Die meisten Menschen möchten verstehen, warum sie Beschwerden haben. Es ist enttäuschend, wenn die Ärztin oder der Arzt keine eindeutige Erklärung hat. Manchmal stellt sich auch das Gefühl ein, dass die Beschwerden verharmlost werden. Deshalb ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die oder der einen ernst nimmt und unterstützt.

Bei der gemeinsamen Suche nach möglichen Erklärungen können folgende Fragen helfen:

  • Was sind typische Auslöser für die Beschwerden? Was verstärkt sie und in welchen Situationen bessern sie sich?
  • Fühlt man sich gestresst und überfordert – etwa im Beruf, durch die Pflege eines Angehörigen oder eine Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Haushalt?
  • Spielen bestimmte Lebensumstände eine Rolle – zum Beispiel eine konfliktreiche Beziehung oder der Tod eines nahen Angehörigen?
  • Können der Lebensstil oder die Arbeitssituation einen Einfluss haben – zum Beispiel eine einseitige Ernährung oder eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne sportlichen Ausgleich?
  • Gibt es aktuelle oder frühere Erkrankungen, die eine Rolle spielen können?

Funktionelle Körperbeschwerden werden meist durch verschiedene körperliche, psychische und soziale Faktoren begünstigt. Deshalb geht es bei der Behandlung darum, die Probleme einzuordnen und Ansatzpunkte für sinnvolle Abhilfe zu finden. Einseitige Erklärungen sind meist falsch und zudem wenig hilfreich.

Anhaltende Beschwerden: Vorbereitung auf das Arztgespräch
Anhaltende Beschwerden: Vorbereitung auf das Arztgespräch

Warum kann es sinnvoll sein, abzuwarten?

Oft ist es sinnvoll, erst einmal abzuwarten. Funktionelle Beschwerden bessern sich oft von selbst nach einiger Zeit, sodass keine Behandlung nötig ist. Meist wird beim Besuch einer Ärztin oder eines Arztes schnell klar, dass keine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt.

Abzuwarten heißt aber nicht, inaktiv zu sein – im Gegenteil: Aktivität ist sogar wichtig. Die Ärztin oder der Arzt kann Tipps zum Umgang mit den Beschwerden geben und zum Beispiel dazu beraten, wie man besser mit Stress zurechtkommt oder welche Sportart geeignet ist.

Wer zunächst versucht, die Probleme so in den Griff zu bekommen, vereinbart am besten nach ein paar Wochen oder Monaten einen Folgetermin. Bei diesem Termin kann dann geschaut werden, wie sich die Beschwerden entwickelt haben. Wenn sie immer noch eine Belastung sind, kann man dann über Behandlungen oder andere Formen der Unterstützung sprechen. Falls die Beschwerden deutlich zunehmen, ist es sinnvoll, früher zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen.

Wenn die Beschwerden schon lange sehr belastend sind, kann weiteres Abwarten unangebracht sein. Dann ist es sinnvoll, sich in einer ärztlichen Praxis oder psychotherapeutischen Sprechstunde zu weitergehenden Hilfen beraten zu lassen.

Warum ist es wichtig, aktiv zu bleiben?

Nur selten ist es richtig, sich vorübergehend zu schonen – zum Beispiel, wenn die Beschwerden besonders stark sind. Auf Dauer ist zu viel Schonung aber nicht gut. Im Gegenteil: Sie kann die Beschwerden noch verstärken, weil sich dadurch Muskeln abbauen und man insgesamt weniger belastbar wird. Inaktivität kann auch psychische Belastungen verstärken.

Aktiv zu bleiben, kann sich auf verschiedene Arten positiv auswirken. Bewegung beispielsweise stärkt die Belastungsfähigkeit, fördert das körperliche und psychische Wohlbefinden und kann Schmerzen lindern. Aktiv bleiben kann aber auch heißen, seinen Hobbys nachzugehen, sich beruflich oder sozial zu engagieren.

Aber auch hier ist die Balance entscheidend: Sich zu überfordern, kann die Beschwerden wieder verstärken. Phasen der Erholung und des Ausgleichs sind selbstverständlich wichtig.

Was kann man selbst tun?

Selbst aktiv zu bleiben oder zu werden, erfordert häufig Kraft. Das gelingt eher, wenn man Aktivitäten findet, die Spaß machen und vielleicht sogar neue Perspektiven bieten. Sie können zudem ablenken, gute Gefühle hervorrufen und Erfolgserlebnisse ermöglichen.

Was infrage kommt, hängt neben den persönlichen Interessen auch von der Art der Beschwerden ab. Eine Auswahl:

  • Sport, zum Beispiel Gymnastik, Ballsport, Krafttraining, Joggen oder Radfahren
  • Übungen, die Körper und Psyche stärken sollen, etwa aus Yoga, Tai-Chi oder Pilates
  • Entspannungsverfahren, zum Beispiel progressive Muskelentspannung oder autogenes Training
  • Achtsamkeitstraining, Stressbewältigung, Meditation
  • Ernährungsumstellung, zum Beispiel eine ballaststoffreichere Ernährung bei Darmbeschwerden
  • Tanzen, Malen, Musizieren, Hobbys pflegen
  • Freundinnen und Freunde treffen
  • soziales Engagement
  • berufliche Veränderung
  • sich an eine Selbsthilfegruppe wenden, in der sich Menschen mit ähnlichen Beschwerden treffen
  • sich über den Umgang mit den Beschwerden informieren (Bücher, Websites). Aber Achtung: Es gibt auch viele schlechte Gesundheitsinformationen.

Manches lässt sich einfach in den Alltag integrieren – etwa die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder öfter spazieren zu gehen. Wer sich mehr bewegt, erlebt seinen Körper vielleicht wieder positiver.

Studien haben gezeigt, dass auch spezielle Selbsthilfeprogramme, die zum Beispiel mit Büchern arbeiten oder im Internet angeboten werden, hilfreich sein können. Solche Programme vermitteln Selbsthilfestrategien und sollen den Umgang mit den Problemen erleichtern. Wo es geeignete Selbsthilfeprogramme gibt, kann man zum Beispiel die Ärztin oder den Arzt fragen.

Außerdem ist es wichtig, sich mit Problemen und Konflikten auseinanderzusetzen, diese nicht zu verdrängen und den Umgang mit ihnen zu überdenken. Wenn dies keinen Erfolg hat, kann es manchmal auch sinnvoll sein, über größere Veränderungen nachzudenken – zum Beispiel bei dauerhaftem beruflichem Stress einen Jobwechsel zu erwägen.

Wann kommt eine Psychotherapie infrage?

Wenn die Beschwerden zu einer psychischen Belastung werden oder wenn es sehr schwer fällt, im Alltag mit den Beschwerden zurechtzukommen, kann eine psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Am besten untersucht sind Behandlungen aus dem Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie. Es gibt aber auch psychoanalytische Verfahren.

Auch im Rahmen einer Psychotherapie wird zunächst versucht, mögliche Erklärungen oder verstärkende Faktoren für die Beschwerden zu finden. Es geht darum, den Zusammenhang zwischen Psyche und körperlichen Beschwerden zu verstehen – zum Beispiel, auf welche Weise Wahrnehmungen und Gefühle beeinflussen, wie Beschwerden erlebt werden. Dabei können belastende Lebensumstände und Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Rolle spielen.

Im Vordergrund steht aber die Suche nach Lösungen. Dabei geht es vor allem darum, wie man mit den Beschwerden umgehen kann. Zum Beispiel können Entspannungs- oder Ablenkungstechniken eingeübt werden, die ebenfalls helfen, mit körperlichen Beschwerden zurechtzukommen. Ein Ziel der Psychotherapie kann auch sein, Ängste vor körperlicher Belastung abzubauen und wieder aktiver zu werden.

Über konkrete Angebote informieren hausärztliche, psychosomatische oder psychotherapeutische Praxen. Psychotherapeutische Praxen bieten auch Sprechstunden an, in denen man sich erst einmal beraten lassen kann.

Welche nicht medikamentösen Behandlungen gibt es?

In bestimmten Situationen können nicht medikamentöse Behandlungen infrage kommen. Dazu gehören beispielsweise Krankengymnastik, physikalische Therapien (etwa Wärmeanwendungen) oder eine Ergotherapie. Bei hartnäckigen Problemen sind sie aber meist nur sinnvoll, wenn sie andere Maßnahmen und die Eigenaktivität gut ergänzen. Nicht immer gibt es für diese Behandlungen ein ärztliches Rezept – manchmal müssen sie selbst bezahlt werden.

Rein passive Behandlungen wie Massagen oder Wärmeanwendungen können zwar kurzfristig das Wohlbefinden steigern, die Beschwerden aber sehr wahrscheinlich nicht nachhaltig bessern. Wahrscheinlich sind Maßnahmen sinnvoller, bei denen man selbst aktiv wird.

Kritisch sollte man bei sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGe-Leistungen) wie zum Beispiel Vitaminkuren oder auch Akupunktur sein, die von manchen Ärztinnen und Ärzten angeboten werden. „IGeL“ werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, da ihr Nutzen in der Regel nicht nachgewiesen ist.

Was kann man von Medikamenten erwarten?

Medikamente helfen, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt. Manchmal lindern sie vorübergehend bestimmte Beschwerden, mögliche Auslöser beseitigen sie jedoch nicht. Zudem können sie Nebenwirkungen haben.

Wie gut gängige Wirkstoffe bei funktionellen Beschwerden helfen, ist kaum untersucht. Mögliche Medikamente sind:

  • Schmerzmittel: Wenn überhaupt, kommen meist nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) infrage. Opioide sollten in der Regel nicht angewendet werden.
  • Psychopharmaka: Bei chronischen Schmerzen oder wenn zusätzlich eine Depression besteht, können manchmal Antidepressiva in Betracht kommen. Von Beruhigungs- und Schlafmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine wird abgeraten, da sie abhängig machen können – von Antipsychotika in der Regel auch.
  • Anti-Krampfmittel (Antiepileptika): Sie werden normalerweise gegen epileptische Krampfanfälle eingenommen, gelegentlich aber auch bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) verschrieben.
  • Magen-Darm-Medikamente: Je nach Symptomen werden Mittel gegen Durchfall, Verstopfung, Krämpfe oder auch Blähungen eingesetzt.

Wichtig ist, den Nutzen eines Medikaments immer gegen seine Nebenwirkungen abzuwägen. Sie sollten bei funktionellen Beschwerden nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden.

Warum sind auch kleine Schritte wichtig?

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt keine schnell wirksame Behandlung anbieten kann, ist es verständlich, enttäuscht zu sein. Häufig gibt es aber keine direkte Lösung. Und immer neue medizinische Behandlungen auszuprobieren, ist keine gute Idee. Es ist besser, langfristig andere Wege zu versuchen – etwa mehr Bewegung und Stressbewältigung.

Bei der Behandlung ist es sinnvoll, sich erreichbare Ziele zu setzen. Ein Ziel wäre zum Beispiel, trotz Beschwerden wieder regelmäßig mit dem Rad zu fahren. Zu erwarten, dass die Beschwerden dadurch verschwinden, ist unrealistisch – aber das Ziel, wieder öfter das Fahrrad zu benutzen, ist konkret und erreichbar. Erste Erfolgserlebnisse können dann zu weiteren Zielen motivieren. Wenn die Beschwerden dann irgendwann tatsächlich nachlassen oder ganz verschwinden: umso besser.

Was bieten digitale Gesundheitsanwendungen?

Es gibt digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für Menschen mit chronischen Schmerzen. DiGA sind meist Apps für mobile Geräte oder Computer – manchmal aber auch Online-Angebote, die man über einen Browser nutzt.

DiGA wurden behördlich geprüft und entsprechen bestimmten Anforderungen, zum Beispiel an den Datenschutz und die Qualität der Inhalte. Sie können ärztlich oder psychotherapeutisch verschrieben werden und werden daher auch „Apps auf Rezept“ genannt. DiGA werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM). Patientenleitlinie (S3) „Funktionelle Körperbeschwerden“: Funktionelle Körperbeschwerden verstehen und bewältigen. Eine Leitlinie für Betroffene und ihre Angehörigen. AWMF-Registernr.: 051-001 (in Überarbeitung). 2018.

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM). S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. AWMF-Registernr.: 051-001 (in Überarbeitung). 2018.

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Van Dessel N, den Boeft M, van der Wouden JC et al. Non-pharmacological interventions for somatoform disorders and medically unexplained physical symptoms (MUPS) in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014; (11): CD011142.

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