Was hilft, Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen?

Einleitung
Manche Frauen können durch regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsumstellung einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) vorbeugen. Ob dies dann auch vor Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt schützt, ist jedoch offen.
Während der Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel. Dies kann dazu führen, dass sich der Zuckerspiegel im Blut vorübergehend erhöht. Übersteigt er bestimmte Werte, spricht man von einem Schwangerschaftsdiabetes. Starkes Übergewicht, Diabetes-Erkrankungen in der Familie oder ein Diabetes in einer früheren Schwangerschaft erhöhen das Risiko.
Wann kann eine Umstellung der Ernährung vor Schwangerschaftsdiabetes schützen?
Allgemein wird empfohlen, sich während einer Schwangerschaft ausgewogen zu ernähren. Damit ist gemeint, für Abwechslung auf dem Teller zu sorgen und sich nicht einseitig zu ernähren, damit das Kind alle notwendigen Nährstoffe bekommt. Die meisten Frauen fahren gut damit, ihrem Appetit zu vertrauen, und benötigen keine spezielle Ernährung.
Von einer Ernährungsumstellung haben bisherigen Studien zufolge vor allem Frauen etwas, die übergewichtig oder fettleibig (adipös) sind. Sie bekommen seltener Schwangerschaftsdiabetes, wenn sie ihren Lebensstil und ihre Ernährung – auch schon vor einer geplanten Schwangerschaft – umstellen und sich dabei am besten durch eine Ernährungsberatung begleiten lassen. Eine Ernährungsumstellung kann ihren Blutzuckerspiegel senken und dafür sorgen, dass sie während der Schwangerschaft etwas langsamer zunehmen. Bei Frauen mit Normalgewicht hat eine gezielte Ernährungsumstellung keine vorbeugende Wirkung.
Bei Frauen mit Übergewicht (BMI >25) oder Adipositas (BMI >30) zeigten die Studien:
- Ohne Ernährungsumstellung bekamen 16 von 100 Frauen die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes.
- Mit Ernährungsumstellung bekamen 6 von 100 Frauen die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes.
Die Studien lassen jedoch offen, ob eine Umstellung der Ernährung auch das Geburtsgewicht des Kindes beeinflusst, das Risiko für Geburtskomplikationen senkt oder sich Kaiserschnitte vermeiden lassen.
Welche Art von Ernährungsumstellung kann vorbeugen?
Da Kohlenhydrate den Blutzucker erhöhen, wird meist empfohlen, weniger Kohlenhydrate, aber ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen und ansonsten auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Häufig wird auch zu 3 nicht zu großen Hauptmahlzeiten und 2 bis 3 kleineren Zwischenmahlzeiten geraten.
Wie die Ernährung genau umgestellt werden kann, hängt unter anderem davon ab, wie viel eine Frau wiegt und sich bewegt. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, kann eine spezielle Ernährungsberatung sinnvoll sein. Denn der Körper braucht während der Schwangerschaft ausreichend Kalorien und wichtige Nährstoffe. Deshalb wird zum Beispiel von einer kalorienarmen Diät abgeraten.
Wie viel Gewicht darf man während der Schwangerschaft zunehmen?
Frauen, die in der Schwangerschaft sehr stark zunehmen, haben ein höheres Risiko für manche Gesundheitsprobleme und Komplikationen während der Geburt. Eine starke Gewichtszunahme kann ein Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes sein. Es gibt Empfehlungen dazu, wie viel eine Frau während einer Schwangerschaft zunehmen sollte. Dies hängt davon ab, wie viel sie vor der Schwangerschaft wiegt:
- bei Untergewicht vor der Schwangerschaft (BMI unter 18,5): zwischen 12,5 und 18 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
- bei Normalgewicht vor der Schwangerschaft (BMI zwischen 18,5 und 24,9): zwischen 11,5 und 16 kg Gewichtszunahme
- bei Übergewicht vor der Schwangerschaft (BMI zwischen 25 und 29,9): zwischen 7 und 11,5 kg Gewichtszunahme.
- bei Adipositas vor der Schwangerschaft (BMI über 30): zwischen 5 und 9 kg Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Können Nahrungsergänzungsmittel helfen?
Studien deuten darauf hin, dass das Nahrungsergänzungsmittel Myo-Inositol das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes verringern könnte. Als Ursache wird vermutet, dass Myo-Inositol die Wirksamkeit des körpereigenen Insulins verbessert. In den Studien erkrankten zudem die Frauen, die Myo-Inositol einnahmen, seltener an Bluthochdruck-Krankheiten wie einer Präeklampsie als Frauen, die das Mittel nicht einnahmen. Es ist aber unklar, ob Myo-Inositol auch das Risiko für mögliche weitere Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes wie Geburtskomplikationen senkt.
Es wird vermutet, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöht. Ob sich Vitamin D zur Vorbeugung eignet, ist aber noch nicht geklärt.
In der Werbung für bestimmte Nahrungsergänzungsmittel – etwa für Omega-3-Fettsäuren (Fischölkapseln) – wird manchmal behauptet, dass sie helfen, Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. Omega-3-Fettsäuren wurden in einigen Studien untersucht, haben sich jedoch als nutzlos herausgestellt: Eine schützende Wirkung zeigte sich nicht.
Probiotika wurden bislang wenig untersucht. Einer Auswertung einiger hochwertiger Studien zufolge ist unklar, ob sie einem Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen können. Die Mittel scheinen jedoch das Risiko für Bluthochdruck-Erkrankungen wie eine Präeklampsie zu erhöhen. Auf Probiotika in der Schwangerschaft sollte daher nach aktuellem Kenntnisstand verzichtet werden.
Schützt mehr Bewegung?
Verschiedene Studien haben untersucht, ob Frauen, die sich vor oder von Beginn ihrer Schwangerschaft an mehr bewegen, seltener Schwangerschaftsdiabetes bekommen als Schwangere, die sich wenig bewegen. Tatsächlich bekamen die Studienteilnehmerinnen etwas seltener die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes – egal ob sie normalgewichtig oder übergewichtig waren.
Studien mit normalgewichtigen Frauen zeigten:
- 5 von 100 Frauen, die sich wenig bewegten, bekamen die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes, aber nur
- 3 von 100 Frauen, die sich mehr bewegten.
Mehr Bewegung erhöhte das Risiko für eine Frühgeburt nicht. Ob und wie sich mehr Bewegung auf Geburtskomplikationen auswirkt, ist noch unklar. Offen ist auch, ob Sport und Bewegung dazu beitragen können, dass seltener ein Kaiserschnitt notwendig ist. Dazu gibt es widersprüchliche Studienergebnisse.
Einige Studien haben eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegungsprogramm untersucht. Sie konnten ebenfalls eine vorbeugende Wirkung zeigen.
Welche Art von Bewegung ist sinnvoll?
Um den Blutzucker zu senken, kann es ausreichen, sich an etwa 3 bis 4 Tagen pro Woche für mindestens 30 Minuten stärker zu belasten. Geeignete Sportarten können zum Beispiel Gymnastik, Schwimmen, Radfahren oder Walking (zügiges Gehen) sein. Sportarten wie Kampfsport, Skilaufen oder Fußball sind während einer Schwangerschaft zu risikoreich. Bei erhöhtem Risiko für eine Frühgeburt kommt Sport meist gar nicht infrage. Am besten ist es, die Frauenärztin oder den Frauenarzt zu fragen, welche Art von Bewegung sinnvoll ist.
Helfen Medikamente?
Studien haben untersucht, ob die Einnahme von Metformin für stark übergewichtige Frauen Vorteile hat. Metformin gibt es als Tablette oder Lösung und es senkt den Blutzucker. Die Studien zeigten jedoch keine schützende Wirkung vor Gestationsdiabetes oder Geburtskomplikationen. Es traten aber Nebenwirkungen wie Durchfall auf. Es wird deshalb nicht empfohlen, Metformin zur Vorbeugung einzunehmen. Zudem ist es weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung von Gestationsdiabetes zugelassen und kann nur außerhalb der Zulassung (Off-label) verschrieben werden.
Quellen
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